Vorwort

Im nächsten Jahr wird die Freie Universität Berlin 50 Jahre alt. Bei ihrer Gründung war sie ein ungläubig bestaunter Neuling im Kreise der ehrwürdigen, wenn auch durch die jüngste Vergangenheit belasteten deutschen Universitäten. Es gibt jetzt jüngere Universitäten in Deutschland; aber keine wurde unter so ungewöhnlichen Bedingungen gegründet wie die Freie Universität im Blockade-Winter 1948/49.

Manches ist zur Geschichte der Freien Universität geschrieben worden; anderes wird wohl - wenn es die bedrängenden äußeren Umstände zulassen - im nächsten Jahr hinzukommen. Die Physik stand in der Frühphase nicht im Zentrum des Interesses und bietet darum Historikern wenig Anreiz. Was konnte sie auch damals zu "veritas, justitia, libertas" anderes beitragen als ihre für viele allzu nüchternden "Wahrheiten"?

Dennoch sollten auch die Mosaiksteine am Rande des Geschehens beachtet und in den zeitgeschichtlichen Rahmen eingeordnet werden. Und schließlich wurde der Mosaikstein Physik zum Grundstein für eine Entwicklung, die heute dem Fach im Raum der Universität einen ganz anderen Rang zukommen läßt als damals.

So schien es der Mühe wert, die wichtigsten Etappen der früheren Entwicklung festzuhalten. Die zeitliche Beschränkung auf die ersten beiden Jahrzehnte ist durch den Umbruch bedingt, den das Jahr 1969 mit dem neuen Universitätsgesetz brachte. Die wesentliche Erweiterung des Lehrkörpers mit neuen Aktivitäten in Forschung und Lehre, die neue Universitätsstruktur, die zur Gründung des Fachbereichs Physik führte, das Prinzip der Gruppenuniversität mit ihren Gremien und Mitbestimmungsregelungen - dies alles läutete ein neues Zeitalter ein. Es wird hoffentlich dem historischen Interesse nicht entgehen und zu gegebener Zeit auch seinen Chronisten finden. Die "Zeitenwende", in der die Universität gegenwärtig steht, wird der Rückschau einen neuen Markierungspunkt bieten.

Ich danke allen, die mir mit Auskünften behilflich waren. Mein besonderer Dank gilt dem Universitätsarchivar, Herrn Dr. A. Spiller, für die Untersützung.