Der Fachbereich Physik

Von H. Gabriel und E. Matthias

Stand Ende 2004

Vorwort

  1. Die Entwicklung in Dahlem bis 1968
  2. Der Sektor Kernphysik im Hahn-Meitner-Institut
  3. Der steinige Weg der Studienreformen
  4. Der Beginn der Expansion des Fachbereichs
  5. Das Universitätsgesetz 1970 und die Bildung des Fachbereichs Physik
    • Bildung des Fachbereichs und der Wissenschaftlichen Einrichtungen
    • Überführung habilitierter Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hochschullehrerstellen
    • Einrichtung von Assistenzprofessuren
    • Mitbestimmung aller Gruppen in Entscheidungsprozessen
  6. Die strukturelle Entwicklung des Fachbereichs Physik seit 1970
    • Aufbau eines Instituts für Festkörpertheorie
    • Gründung einer Arbeitsgruppe für Quantenfeldtheorie und mathematische Physik
    • Einrichtung der Biophysik
    • Weiterer Ausbau durch zielorientierte Berufungen
    • S-Professuren
    • Medizinische Physik
    • Kryotechnik
  7. Die Zusammenführung des Fachbereichs im Neubau Physik (1982)
  8. Die wissenschaftlichen Leistungen des Fachbereichs Physik seit 1970
    • Drittmittel: Sonderforschungsbereiche, Verbundforschung
    • Promotionen, Habilitationen
    • Ehrenpromotionen, Ehrungen und Ehrenämter
    • Internationale Gäste, Fachtagungen
    • Buchveröffentlichungen
  9. Generationenwechsel unter erschwerten Bedingungen
  10. Ausblick

Anhänge 1–4

Vorwort

Die Wissenschaftsgeschichte der Freien Universität umfasst eine Zeitspanne von 50 Jahren, in der die größte technologische Revolution der Menschheit stattgefunden hat. Die Entwicklung von der Röhrenelektronik über die Transistortechnik bis zu integrierten Schaltkreisen führte zu der heutigen Computertechnik mit allen Folgeerscheinungen wie Informatik, Automatisierung und Globalisierung auf allen Gebieten. Physikalische Erfindungen veränderten die Welt während dieser Zeit. Der Laser z.B. ermöglicht gezielte Eingriffe in atomare und makroskopische Systeme und öffnet Zeitskalen bis in den Femtosekundenbereich. Fortschritte in den Materialwissenschaften und in der Ultrahochvakuumtechnik erlauben heute u.a. die Beobachtung und Manipulation einzelner Atomen auf Oberflächen. Wir stehen heute am Beginn einer Nanotechnologie, deren Auswirkungen sich bestenfalls erahnen lassen. In der Mikrobiologie wird die Struktur und Funktion von biologischen Molekülen aller Art erforscht. Durch den Bau von riesigen Teilchenbeschleunigern gewinnt man immer tiefere Einblicke in subnukleare Strukturen, und in kosmischen Dimensionen erzielt die Weltraumforschung enorme Fortschritte. Für alle ist der Einsatz leistungsfähiger Computer zur unabdingbaren Voraussetzung geworden, das gilt insbesondere für die numerische Behandlung komplexer Systeme.

Jeder Naturwissenschaftler muss auf seinem Gebiet an dieser ständigen technologischen Entwicklung teilnehmen, wenn er aktuelle Forschung betreiben will. Daraus ergeben sich u.a. zwei wichtige Konsequenzen. 1. Die Forschungsthemen werden häufiger gewechselt als vielleicht in anderen Wissenschaftsbereichen üblich, denn das Bestreben ist, möglichst bei aktuellen "hot topics" dabei zu sein. 2. Die experimentellen Geräte sind innerhalb weniger Jahre veraltet, müssen ersetzt und die dafür notwendigen finanziellen Mittel aufgebracht werden. Vor diesem Hintergrund muss die nachfolgend beschriebene Entwicklung des Fachbereichs Physik verstanden werden.

I Die Entwicklung in Dahlem bis 1968 [1]

Beim Aufbau der Freien Universität Berlin (FU) durfte ein Kernfach der Naturwissenschaften – die Physik – nicht fehlen. So wurde kurz nach Gründung der FU ein Lehrstuhl für Physik eingerichtet, der bis zur Bildung einer Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät anfangs noch der Philosophischen Fakultät zugeordnet war. Bereits zum April 1949 wurde H. Lassen berufen, der vordem an der Humboldt-Universität im Ostsektor Berlins lehrte. Das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in der Boltzmannstraße 20 in Dahlem wurde Sitz des Instituts für experimentelle Physik. Schon im SS 1949 fanden die ersten Lehrveranstaltungen statt. Die Leistungen in dieser Anfangsphase, in der es galt, mit wenigen Mitarbeitern und Sachmitteln aus dem Nichts einen Studiengang Physik aufzubauen, sind bewundernswert. Zudem galt es, die Nebenfachausbildung in Physik für andere naturwissenschaftliche Fächer und die Medizin sicherzustellen, deren Studentenzahlen weitaus größer waren als die des Fachs Physik. Die Arbeit von Professor Lassen und seinen Mitarbeitern konzentrierte sich daher am Anfang auf den Aufbau der experimentellen Vorlesungen und Praktika für Anfänger, Fortgeschrittene und Nebenfächler sowie auf die Einrichtung der Werkstätten. Letztere waren von großer Bedeutung, da die erforderlichen Geräte überwiegend im Eigenbau hergestellt wurden. Eine zunehmende Zahl von Diplomanden und Doktoranden beschleunigte die Entwicklung der Forschung im Institut, die sich hauptsächlich auf Photoionisation, UV[2]- und Massen-Spektroskopie, Elektronenbeugung und Röntgen-Reflexionsmikroskopie konzentrierte. Prof. Lassen führte das Institut bis 1966. Trotz der überaus schwierigen Anfangsbedingungen entstand bis zu diesem Zeitpunkt eine beeindruckende Anzahl von Publikationen, Diplomarbeiten und Dissertationen1. Ein späterer Hochschullehrer des Fachbereichs Physik [3], G. Simonsohn, stammt aus diesem Institut.

Ein bemerkenswerter Schritt war 1952 die Gründung einer Arbeitsgruppe[4] Biophysik durch W. Stein, einem der ersten Assistenten von Prof. Lassen. Schon 1956 habilitierte sich Stein auf diesem Gebiet. Aus dieser AG entstand unter seiner Leitung 1962 das Institut für Biophysik, das ab 1970 innerhalb des Zentralinstituts Biophysik und Biochemie weitergeführt wurde. Professor Stein wechselte dann in die Politik und avancierte 1964 zum Senator für Wissenschaft und Kunst.

Die Physik umfaßt experimentelle und theoretische Arbeitsgebiete. Voraussetzung für ein vollständiges Physikstudium war daher die Einrichtung eines Lehrstuhls für Theoretische Physik. Zuerst wurde G. Ludwig berufen. Er nahm schon im WS 1949/50 die Lehrtätigkeit auf. Sein Arbeitsgebiet war vor allem die Quantenmechanik, doch er beschäftigte sich auch mit Quantenfeldtheorie, Kernphysik und Hydrodynamik. Das Theoretische Institut war ebenfalls in der Boltzmannstraße 20 untergebracht. Professor Ludwig prägte bis zu seiner Wegberufung 1963 nach Marburg das Bild der Physik an der FU. Er genoss internationales Ansehen und konnte Spitzenkräfte um sich sammeln, aus denen später nicht weniger als 13 Professoren hervorgingen1. Darüber hinaus gelang es ihm, 1962 eine der ersten voll transistorisierten elektronischen Datenverarbeitungsanlagen als Leihgabe der Deutschen Forschungsgemeinschaft[5] an die FU zu holen. Einer der damaligen Betreuer dieser Anlage (J. Zeiler) wurde später der Leiter der zentralen Datenverarbeitungsanlage (ZEDAT) der FU. Am Institut wurde 1961 eine außerordentliche Professur eingerichtet, die W. Wild ein Jahr lang innehatte, bevor er an die TU München berufen wurde. Sein Nachfolger war ab November 1962 G. Grawert, ein Schüler Ludwigs, der 1965 einem Ruf nach Marburg folgte.

Der hohe wissenschaftliche Standard des Instituts und das Ansehen Prof. Ludwigs boten beste Voraussetzungen, die Theoretische Physik 1963 durch Schaffung einer zusätzlichen ordentlichen Professur für theoretische Elementarteilchenphysik zu stärken. Ausschlaggebend dafür waren die bahnbrechenden experimentellen Ergebnisse, die auf diesem Gebiet damals mit den neuen Hochenergiebeschleunigern erzielt wurden. Ludwigs Initiative führte zum späteren Institut für Theorie der Elementarteilchen, denn nach seinem Weggang konnten auf diesem Gebiet zwei Theorie-Lehrstühle besetzt werden. Berufen wurden W. Theis und F. Penzlin, die schon zum Wintersemester 1963/64 ihre Arbeit aufnahmen. F. Penzlin hatte sich 1961 an der Universität Heidelberg bei dem späteren Nobelpreisträger Prof. Jensen habilitiert. Der Schwerpunkt seines Forschungsinteresses lag in der allgemeinen Streutheorie und bei den mathematischen Grundlagen physikalischer Theorien. W. Theis kam von der Universität Hamburg, wo er sich 1959 habilitiert hatte. In den Jahren 1955/56 arbeitete er in Zürich bei dem Nobelpreisträger Prof. Pauli an Meson-Theorien und Streuproblemen. Er war einer der Väter der Zweikomponenten-Theorie der Schwachen Wechselwirkung. Im Laufe der Jahre schrieb er neben anderen wissenschaftlichen Arbeiten ein Lehrbuch über die "Grundzüge der Quantentheorie" (vergl. Anhang 4). Aus den Arbeitsgruppen dieser beiden Lehrstuhlinhaber gingen in den Jahren 1969/70 die Hochschullehrer B. Hamprecht, H. Kleinert, T. Meng, H. Meldner und K.-H. Mütter hervor. Die beiden Letztgenannten verließen die FU bereits 1971.

In der Experimentalphysik führten die steigenden Studentenzahlen Anfang der 50er Jahre dazu, dass die Ausbildungskapazität für experimentelle Diplomarbeiten nicht ausreichte und Kandidaten an externen Instituten (Fritz-Haber-Institut, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Bundesanstalt für Materialprüfung) Arbeitsplätze suchen mussten. Ferner mussten die Praktika für Fortgeschrittene sowie die für Nebenfächler und Mediziner erweitert werden. Um diesen Zwängen Rechnung zu tragen und eine fachlich breitere Physikausbildung zu erreichen, wurde 1954 das II. Physikalische Institut gegründet (Prof. Lassens Institut war fortan das I. Physikalische Institut). Sitz des neuen Instituts war ebenfalls das Gebäude in der Boltzmannstraße 20. Mit der Berufung von R. Honerjäger im April 1954 kam mit der Molekülphysik ein neues Forschungsfeld an die FU. Zur Untersuchung kleiner Moleküle wurde die Mikrowellen-Spektroskopie eingesetzt; größere Moleküle wurden mit der Elektronenspinresonanz-Methode[6] untersucht. Eine moderne Variante der ESR wird heute noch sehr erfolgreich von der AG Möbius genutzt. Die wissenschaftlichen Arbeiten in diesem Institut fanden große Anerkennung. Professor Honerjäger organisierte 1959 die Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Er musste sich aus gesundheitlichen Gründen 1970 vorzeitig aus dem Dienst zurückziehen. Die späteren Hochschullehrer des FB Physik, J. Hoeft, K. Möbius und T. Törring, stammen aus dem II. Physikalischen Institut. In der Folgezeit widmeten sich Hoeft und Törring der Entwicklung neuer spektroskopischer Verfahren zur Untersuchung kleiner Moleküle in der Gasphase, während Möbius eine AG aufbaute, die mit magnetischen Mehrfachresonanzmethoden organische und biologisch relevante Moleküle studierte.

Der Ausbau der Physik setzte sich mit der Gründung des III. Physikalischen Instituts fort, für das ein Neubau in der Königin-Luise-Straße 28–30 errichtet wurde. Als Leiter wurde S. Wilking im März 1965 berufen. Er kam aus Karlsruhe und hatte sich dort mit Arbeiten über magnetische Kernspinresonanz (NMR[7]) habilitiert. Für seine Entdeckung von Subharmonischen in der NMR erhielt er 1962 den Physikpreis der DPG[8]. Mit Einführung der Spinresonanz-Spektroskopie an Kernen und Elektronen in kondensierter Matere erweiterte Wilking das Spektrum der Physik an der FU und sorgte für eine weitere experimentelle Modernisierung. Neuland war auch die Einführung der Phononenspektroskopie an Festkörpern. Die Arbeiten am Institut von Prof. Wilking bekamen großes Gewicht bei der Einrichtung des ersten Sonderforschungsbereichs[9] am FB Physik, der die Untersuchung von Hyperfeinwechselwirkungen in Atomen, Molekülen und Festkörpern zum Ziel hatte. Wilking selbst schied schon 1983 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst. Aus seinem Institut stammen die späteren Hochschullehrer des Fachbereichs, K. Lüders und K.D. Kramer, die mit Wilking aus Karlsruhe gekommen waren. Beide bauten im Laufe der Jahre eigenständige Arbeitsgruppen auf. Kramer konzentrierte sich auf Forschungsthemen der Medizinischen Physik und engagierte sich in der Physikausbildung für Studierende der Medizin. Die Forschungsarbeiten von Lüders erstreckten sich auf neue supraleitende Materialien, metallische Gläser und Graphiteinlagerungsverbindungen.

II Der Sektor Kernphysik im Hahn-Meitner-Institut

Die Gründung des Hahn-Meitner-Instituts für Kernforschung (HMI) in Berlin-Wannsee im Jahre 1959 beeinflusste den weiteren Aufbau des FB Physik. Bedeutsame Entwicklungen auf dem Gebiet der Kernphysik und Kernenergie – u.a. die Entdeckung der Paritätsverletzung in der schwachen Wechselwirkung – hatten zur Folge, dass in den 50er und Anfang der 60er Jahre die Kernphysik eine dominierende Rolle spielte. Daher unternahmen auch die Westberliner Universitäten 1955 einen Vorstoß zur Einrichtung eines zentralen Forschungsinstituts für Atomenergie, Kernphysik und Kernchemie sowie für den Bau eines Forschungsreaktors. Diese Initiative wurde von den FU-Physikern Lassen, Ludwig und Honerjäger unterstützt. Deren Hauptanliegen war die Einführung einer kernphysikalischen Ausbildung an der FU gestützt auf aktuelle Forschung auf diesem Gebiet. Realisiert wurde dies durch die Berufung von H. Lindenberger im Mai 1962 auf einen Lehrstuhl an der FU, verbunden mit der Leitung des Sektors Kernphysik am HMI. Lindenberger war Schüler von Prof. Kopfermann in Heidelberg. Er stellte sich die Aufgabe, einen damals modernen 7 MeV van-de-Graaff-Beschleuniger mit hoher Stromleistung zu installieren und damit Kernreaktionen an leichten und mittelschweren Kernen zu studieren. Damit sollten Aussagen über den Reaktionsmechanismus sowie über Spin und Parität der beteiligten Niveaus gewonnen werden. Der van-de-Graaff-Beschleuniger wurde im August 1965 in Betrieb genommen. Schon das erste Experiment, der Nachweis des Mössbauer-Effekts[10] mit g-Quanten, die nach einer Kernreaktion emittiert wurden, durch J. Christiansen und E. Recknagel war ein Erfolg, der internationale Aufmerksamkeit weckte. Diese Untersuchung war ein Meilenstein in dem sich damals entwickelnden Forschungsgebiet "Nukleare Festkörperphysik", das die Anwendung kernphysikalischer Methoden auf das Studium von Festkörpereigenschaften beinhaltete. Christiansen und Recknagel waren dabei führende Kräfte, die sich aufgrund ihrer Erfolge schon bald habilitierten und Rufe erhielten. Christiansen ging 1969 nach Erlangen und Recknagel 1975 nach Konstanz. Noch heute ist die Nukleare Festkörperphysik in eingeschränktem Umfang am HMI vertreten. Mit den damaligen Untersuchungen in der Nuklearen Festkörperphysik hat das HMI dazu beigetragen, dass sich Ende der 60er Jahre in der Bundesrepublik die Gewichte in der Physik mehr von der Niederenergie-Kernphysik in Richtung Festkörperphysik verschoben.

Der Schwerpunkt des Sektors Kernphysik am HMI blieb jedoch das Studium der Kernreaktionen. Zur weiteren Unterstützung wurde im März 1966 J. Eichler auf den Lehrstuhl für Theoretische Kernphysik berufen. Die Stelle war eine sogenannte S-Professur [11], deren Aufgabe die Leitung der theoretischen Abteilung im Sektor Kernphysik war. Eichler hatte 1960 in Heidelberg bei dem späteren Nobelpreisträger Prof. Jensen promoviert und war dort bis 1962 Wiss. Assistent. Die Jahre 1962–1964 verbrachte er als Research Fellow am CALTECH [12], und von 1964–1966 war er Guest Scientist am Niels-Bohr-Institut in Kopenhagen. Er beschäftigte sich mit der Theorie der Kernstruktur – einschließlich Vielteilchenkorrelationen und kollektiven Phänomenen – sowie mit Modellvorstellungen für Kernreaktionen. Ab 1973 widmete er sich schwerpunktmäßig der Theorie atomarer Stöße insbesondere dem molekularen Anregungsmechanismus bei langsamen Ion-Atomstößen und dem Ladungstransfer bei schnellen und relativistischen Stößen. Seine Arbeiten fanden weltweite Anerkennung, die sich in seinen umfangreichen internationalen Beziehungen niederschlug. Der theoretischen Abteilung gehörten u.a. die Privatdozenten R. Lipperheide und D.H.E. Groß an. Ersterer engagierte sich stark in der Lehre und wurde später zum apl. Professor ernannt. Dies galt auch für Groß, der mit dem Fachbereich durch eine intensive Zusammenarbeit mit T. Meng auf dem Gebiet der relativistischen Kernreaktionen verbunden war. Insgesamt erfuhr die FU-Physik vor 1969 bei Lehr- und Prüfungsaufgaben tatkräftige Unterstützung durch den Sektor Kernphysik.

III Der steinige Weg der Studienreformen

Angestoßen durch die studentischen Unruhen an der FU von 1968 wurde auch im Fach Physik versucht, die Lehre radikal zu verändern mit dem Ziel, weltweit bewährte Elemente einer soliden Physikausbildung zu verbannen und durch ein "Projektstudium" zu ersetzen. Die anfängliche Diskussionsbereitschaft der Professoren nahm in dem Maße ab, wie Störungen und Anfeindungen zunahmen. Die Studenten versuchten, oft unterstützt von Fachfremden, in sog. Vollversammlungen "basisdemokratische Entscheidungen" zu Lehre und Prüfungen durchzusetzen. Die Auseinandersetzungen eskalierten zunehmend, als radikalen studentischen Gruppen das Feld der Studienreform nicht mehr genügte und der Sturz des gesellschaftlichen Systems oberstes Ziel wurde. Anhängern solch politischer Leitbilder erschien es offenbar konsequent, die Professoren als "Handlanger des Kapitalismus" zu diffamieren. Leider unterstützten einige Wiss. Mitarbeiter dergleichen Ziele samt ihren Nebeneffekten. Bei der Gründung der "Roten Zelle Physik", kurz "Rotzphys", waren einige Wiss. Mitarbeiter des HMI führend. Schon der Name dieser Gruppierung verdeutlicht, mit welch destruktiver Gesinnung sich diejenigen auseinander setzen mussten, denen die eigentlichen Aufgaben einer Universität am Herzen lagen. Die in der Gruppenuniversität der 70er Jahre vorgeschriebene studentische Mitbestimmung erschwerte für lange Zeit die akademische Selbstverwaltung und machte Diskussionen über eine sinnvolle Studienreform zu einer sehr mühevollen Aufgabe. Die Studenten versuchten hartnäckig, in Gremien, wie der Ausbildungskommission und dem Fachbereichsrat, extreme Positionen durchzusetzen.

Wie zähflüssig die Studienreformdiskussion verlief, belegt die Tatsache, dass die erste Studienordnung des FB Physik nach langwierigen Beratungen erst 1975, also 5 Jahre nach der Konstituierung des ersten Fachbereichsrats verabschiedet werden konnte. Was über viele Jahre folgenschwer blieb, war die Abschaffung von Klausuren sowie eine Reduzierung der Prüfungsanforderungen. Die fehlenden Leistungskontrollen minderten die Lernbereitschaft und kosteten etlichen Studenten wertvolle Zeit, weil sie zu spät erkannten, dass sie für das Studienfach Physik nicht geeignet waren. Indirekt wurde auch die Forschungsarbeit mindestens eine Dekade lang behindert. Aufgrund der hochschulpolitischen Situation kamen im Vergleich zu westdeutschen Universitäten zu wenig gute Studenten an den Fachbereich, und es war schwierig, auf Doktoranden- und Assistentenstellen erstklassige Leute zu bekommen. Wie fehlgeleitet die damalige Entwicklung verlief, erkennt man u.a. daran, dass noch bis Mitte der 80er Jahre eine Zusammenarbeit mit der Industrie von vielen Universitätsangehörigen mißbilligt wurde, darunter auch von Teilen der Universitätsverwaltung.

Am Ende widersetzte sich der FB Physik erfolgreich allen Bestrebungen, die Studienreform mit der Durchsetzung gesellschaftspolitischer Ziele zu verquicken. Unabhängig davon blieb die Verbesserung der Qualität der Lehre eine ständige Herausforderung, der sich der Fachbereich nicht entzogen hat. Das belegt der Bericht des Fachbereichs, der im Oktober 2000 einer externen Gutachterkommission zur Evaluation von Studium und Lehre an den Berliner Universitäten vorgelegt wurde. Darin werden auch die Änderungen des Studienplans beschrieben, die durch die Teilnahme am European Credit System (ECTS) zur Messung der Studienleistungen erforderlich wurden. Damals hielt die überwältigende Mehrheit aller Physik-Fachbereiche an deutschen Universitäten noch am bewährten Diplom als erstem berufsqualifizierenden Abschluss fest.

Trotz solcher Widrigkeiten in den 70er Jahren gelang es, nicht zuletzt wegen der günstigen finanziellen Bedingungen, einen in der Forschung – gemessen am internationalen Standard – leistungsfähigen Fachbereich aufzubauen.

IV Der Beginn der Expansion des Fachbereichs Physik

Das Verdienst von Prof. Lindenberger um die Entwicklung des FB Physik muss besonders gewürdigt werden. Ihm lag daran, nach der Emeritierung von Prof. Lassen eine leistungsstarke moderne Experimentalphysik in Dahlem aufzubauen. Mit diesem Ziel initiierte er die Gründung des IV. Physikalischen Instituts, verbunden mit der Einrichtung eines weiteren Lehrstuhls für Experimentalphysik. Mit starker Unterstützung durch Prof. Wilking gelang die Durchsetzung dieser Pläne in der Fakultät und beim damaligen Kurator F. von Bergmann. Zusammen mit dem vakanten Lehrstuhl des I. Physikalischen Instituts konnten somit im Jahre 1968 zwei Institutsleiter-Stellen besetzt werden. Dadurch wurde die Doppelberufung Matthias/Hüfner möglich, die beiden die Chance bot, durch Abstimmung der Forschungsprojekte besonders günstige Bedingungen auszuhandeln. So wurden zwei zusätzliche AH5-Professuren [13] bewilligt, die es erlaubten, ein starkes Forscherteam aufzubauen. Im August 1968 trat S. Hüfner als Direktor des IV. Physikalischen Instituts seinen Dienst an, und E. Matthias folgte im April 1969 auf die Nachfolge von Prof. Lassen am I. Physikalischen Institut. Auf die AH5-Stellen wurden im August 1969 H. Gabriel und im Oktober 1969 D. Quitmann berufen. Alle vier brachten umfangreiche Auslanderfahrungen mit, die sich in einem neuen Arbeitsstil aber auch in der Wahl der Projekte niederschlugen.

S. Hüfner hatte 1963 an der TH Darmstadt bei Prof. Hellwege mit einer Arbeit über optische Spektroskopie an kristallinen Salzen der Seltenen Erden promoviert und sich dort 1966 habilitiert. Dazwischen arbeitete er zwei Jahre lang als Postdoc [14] an der TU München bei Prof. Kienle und untersuchte Hyperfeinwechselwirkungen und Kernmomente mit dem Mössbauer-Effekt. Im Jahre 1967 verbrachte er einen Forschungsaufenthalt an den Bell Laboratories in Murray Hill/NJ. Obwohl er zum Zeitpunkt seiner Berufung vergleichsweise jung war besaß er eine breite Erfahrung auf dem Gebiet der Festkörperphysik und war international ausgewiesen durch eine große Zahl von Veröffentlichungen. Die Forschung am IV. Physikalischen Institut begann auf zwei Gebieten: 1) Untersuchungen von Hyperfeinwechselwirkungen und Isomerieverschiebungen in metallischen Legierungen mit Hilfe des Mössbauer-Effekts, 2) optische Spektroskopie an Seltenen-Erd-Kristallen und Einsatz der optischen Doppelresonanz-Methode zur Messung von angeregten Kristallfeldniveaus. – Es gelang Hüfner, erfahrene Mitarbeiter zu gewinnen, unter denen sich die Assistenzprofessoren[15] K. Baberschke, A. Goldmann, J. Pelzl und P. Steiner wissenschaftlich besonders hervorgetan haben. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass der zweite westdeutsche Astronaut, R. Furrer, bei ihm promovierte. Obwohl Hüfner bereits 1975 die FU wieder verließ und einem Ruf nach Saarbrücken folgte, hat er die Festkörperphysik am Fachbereich nachhaltig geprägt. Für seine Verdienste verlieh ihm der Fachbereich im Jahre 2000 die Ehrendoktorwürde.

E. Matthias hatte 1963 bei dem späteren Nobelpreisträger K. Siegbahn in Uppsala/Schweden promoviert und sich dort im gleichen Jahr habilitiert. Ihm gelangen seinerzeit die ersten zeitaufgelösten Messungen gestörter g-g-Winkelkorrelationen in radioaktiven Zerfällen, was eine neue Qualität bei der Untersuchung von Hyperfeinwechselwirkungen in angeregten Kernzuständen zur Folge hatte. Ab Herbst 1963 setzte er seine Arbeiten bei Prof. D.A. Shirley am Lawrence Radiation Laboratory[16] in Berkeley/CA fort, zuerst als Fellow des Miller Institute for Basic Research in Science der UC Berkeley [17] und ab 1965 als "senior staff member". Dort gelang ihm der Nachweis der magnetischen Kernresonanz in angeregten und radioaktiven Kernen mit Hilfe der ausgesandten g-Strahlung. Er sammelte Erfahrungen mit Tieftemperatur-Kernorientierung, Mössbauer-Effekt und Kernreaktionen. Im Jahre 1968 verbrachte er einen achtmonatigen Forschungsaufenthalt am Physik-Department der TU München. Im April 1969 folgte er dem Ruf an die FU, wobei der van-de-Graaff-Beschleuniger des HMI für ihn ein Anziehungspunkt war. Dort führte er anfangs zeitaufgelöste Messungen an langlebigen Kernzuständen durch, die in der Folgezeit von D. Riegel selbständig weitergeführt wurden. Am I. Physikalischen Institut wurden Experimente zur Tieftemperatur-Kernorientierung, zu gestörten g-g-Winkelkorrelationen und zum Mössbauer-Effekt aufgebaut. Die Tieftemperatur-Kernorientierung stand unter der Leitung der späteren Hochschullehrer W.D. Brewer und E. Klein und wurde dann als eigenständige AG am Fachbereich weitergeführt. Eine neue Aktivität war die "beam-foil"-Spektroskopie. Dafür war J. Andrä zuständig, der diese Technik als DFG-Stipendiat in Tucson/Arizona erlernt hatte. Er war so erfolgreich, dass er 1976 am FB zum AH4-Professor ernannt wurde und schon 1980 einem Ruf nach Münster folgte. – Matthias selbst wandte sich dann nichtlinearen optischen Prozessen zu, erst der dopplerfreien Zweiphotonen-Spektroskopie (mit R. Beigang und H. Rinneberg), danach der Materialbearbeitung mit Lasern (mit J. Reif und M. Reichling) und schließlich in den 90er Jahren der Untersuchung der Elektronen- und Spindynamik in magnetischen dünnen Filmen mit zeitaufgelöster Freqenzverdopplung (mit J. Hohlfeld und J. Güdde). Er erhielt Rufe an die TH Darmstadt 1972, Chalmers Tekniska Högskola, Göteborg/Schweden 1973 und Vanderbilt University, Nashville/TN 1984, die er jedoch ablehnte.

Auf eine der AH5-Stellen wurde D. Quitmann berufen, der 1961 an der TH Darmstadt bei Prof. Brix mit einer Arbeit über myonische Atome promoviert hatte. Die Experimente dazu hatte er am CERN[18] in Genf durchgeführt. In den Jahren 1961 bis 1967, weiterhin als Wiss. Mitarbeiter in Darmstadt, machte er sich einen Namen durch Forschungen an myonischen Atomen sowie durch Mössbauer-Effekt-Experimente, die dem Ziel dienten, Kernmomente und Isomerieverschiebungen zu bestimmen. Er habilitierte sich 1967 an der TH Darmstadt mit der Arbeit "Die Kernradiusänderung beim Einbau eines Protons". Anschließend arbeitete er von 1967 bis 1969 am LRL in Berkeley, wobei es ihm erstmals gelang, NMR in durch Kernreaktionen angeregten Isomeren zu induzieren. An der FU begann er zuerst mit Untersuchungen der Quadrupolrelaxation angeregter Kernzustände in flüssigen metallischen Legierungen, die in Form von Gastexperimenten am Zyklotron des Kernforschungszentrums Karlsruhe unter Mitwirkung von M. von Hartrott durchgeführt wurden. Dieses Programm wurde später erweitert durch Lichtstreuung an glasbildenden Schmelzen und Gläsern.

Die zweite AH5-Stelle wurde mit H. Gabriel besetzt. Abweichend von der deutschen Tradition, laut der Theorie und Experiment streng getrennt waren, wurde hier der Versuch unternommen, beide Gebiete in einem Institut zusammenzuführen, um Forschungsprojekte von wechselseitigem Interesse gemeinsam zu bearbeiten. Gabriel erhielt die venia legendi für Theoretische Physik 1966 an der Technischen Hochschule Braunschweig für Arbeiten zum Einfluss zeitlich fluktuierender Felder auf die Hyperfeinaufspaltung der Mössbauerstrahlung. Publikationen zu diesem Thema waren Anlass für einen einjährigen Forschungsaufenthalt (1968–1969) am LRL in Berkeley bei Prof. Shirley, in dessen Abteilung einschlägige Untersuchungen durchgeführt wurden. Seine theoretischen Arbeiten zum Einfluss der elektronischen Umgebung auf die Winkelverteilung von g-Strahlung schufen die Basis für eine eigene AG in Berlin, deren Schwerpunkt die Theorie der dynamischen Kern-Elektron-Wechselwirkung und der Multipolrelaxation war. Zur Abwendung eines Rufes an die Universität Bremen wurde Gabriel 1976 AH6-Professor am Fachbereich. Wie kein anderer hat er sich für den FB Physik eingesetzt und war über die Jahre insgesamt viermal Sprecher bzw. Dekan und von 1978 bis 1982 Vizepräsident für Naturwissenschaften und Forschung an der FU. Aus seiner Gruppe stammt J. Bosse, der 1974 bis 1978 zuerst als Gastwissenschaftler, danach als Wiss. Mitarbeiter bei Prof. Götze am MPI für Physik und Astrophysik, Garching, bzw. an der TU München tätig war, wo er sich auch habilitiert hatte. Er wurde 1979 als C2-Professor an den Fachbereich berufen und brachte das Forschungsgebiet Theorie der Flüssigkeiten ein.

V Das Universitätsgesetz 1970 und die Bildung des Fachbereichs Physik

Mit diesen Berufungen begann ab 1970 der zügige Ausbau des Faches Physik. Er ging einher mit einschneidenden hochpolitischen Veränderungen durch das Berliner Hochschulgesetz. Auf der Fachbereichsebene waren vier gesetzliche Maßnahmen von großer Bedeutung für die Entwicklung von Forschung und Lehre: 1) Die Auflösung der Fakultäten und Institute unter Bildung von Fachbereichen und Wissenschaftlichen Einrichtungen [19]. 2) Die Überführung von habilitierten wissenschaftlichen Mitarbeitern in Hochschullehrerstellen. 3) Die Einrichtung von Assistenzprofessuren. 4) Die Mitbestimmung der wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter sowie der Studenten. – Der Einfluss dieser Maßnahmen auf die Entwicklung des FB Physik soll kurz besprochen werden.

Zu 1: Bildung des Fachbereichs und der Wissenschaftlichen Einrichtungen

Die Entstehung von Fachbereichen folgte dem damaligen Trend, Departments nach amerikanischen Mustern zu bilden. Die Mehrzahl der Hochschullehrer am FB Physik begrüßte diese Idee und die Konsequenz, dass damit der Fachbereichsrat das wichtigste Entscheidungsgremium wurde. Es kostete jedoch mehrere Jahre, bis sich ein effizienter Ablauf der Entscheidungsprozesse eingespielt hatte. Langfristig gesehen zahlte sich die Fachbereichsstruktur durch eine Entlastung der Hochschullehrer von administrativen Aufgaben aus.

Bei der Gründung der WEs legte der FB Physik großen Wert auf die Beibehaltung des traditionellen Begriffs "Institut". So entstanden 1970 aus den früheren Instituten mit Billigung durch den Akademischen Senat und des Kuratoriums die vier im Folgenden aufgeführten WEs. Die genannten Projekte änderten sich jedoch mit den Jahren durch neue wissenschaftliche Prioritätensetzung und Berufungen.

WE 1: Institut für Atom- und Festkörperphysik

Diese WE umfaßte die früheren Physikalischen Institute I, III und IV, verteilt auf die Standorte Boltzmannstraße 20 und Königin-Luise-Straße 28–30. Die folgenden Forschungsprojekte waren teils methodisch, teils materialkundlich orientiert:

  • Hyperfeinwechselwirkungen angeregter langlebiger Kernzustände
  • Theorie dynamischer Kern-Elektron-Wechselwirkungen
  • Kernorientierung im Millikelvin-Bereich
  • hochauflösende Laserspektroskopie
  • Beam-foil Spektroskopie
  • UV-Spektroskopie und Vielstrahlinterferometrie
  • Mössbauer-Effekt-Untersuchungen an magnetischen Metallen
  • optische Doppelresonanz an magnetisch ordnenden Verbindungen
  • Spindynamik bei magnetischer Kernresonanz
  • magnetische Kernresonanz in Supraleitern
  • Phononen-Spektroskopie und akustische Kernresonanz in Metallen

Insgesamt arbeiteten Anfang 1971 in dieser WE drei AH6-, zwei AH5-, zwei AH4-Professoren sowie acht Assistenzprofessoren.

WE 2: Institut für Molekülphysik

Hier handelte es sich um eine Umbenennung des II. Physikalischen Instituts (Standort Boltzmannstraße 20) mit den Arbeitsgebieten:

  • Mikrowellenspektroskopie zweiatomiger Moleküle
  • Spektroskopie organischer Moleküle mit Elektronenspin-Resonanz- und Kern-Elektronen-Doppelresonanz-Methoden

Neben einem AH6-Professor gab es 1970 an dieser WE drei AH4-Professoren sowie einen Assistenzprofessor.

WE 3: Institut für Kernphysik

Am HMI (Standort Berlin-Wannsee) wurden die Arbeitgruppen der Lehrstühle Lindenberger und Eichler zusammengelegt. Die experimentellen Schwerpunkte waren durch die Möglichkeiten des van-de-Graaff-Beschleunigers festgelegt, die theoretischen Themen waren naturgemäß weiter gefasst:

  • Kernreaktionen leichter und mittelschwerer Kerne
  • Kern-Elektron-Wechselwirkungen an angeregten Kernen
  • Mikroskopische Theorie kollektiver Phänomene in Kernen
  • Vierteilchen-Korrelationen in Kernen
  • Modelle zur Beschreibung von Kernreaktionen

An dieser WE gab es 1970 zwei AH6- und einen AH4-Professor sowie einen Assistenzprofessor.

WE 4: Institut für Theorie der Elementarteilchen

Diese WE (Standort Arnimallee 3) entstand durch Zusammenschluss der Arbeitsgruppen Theis und Penzlin. Die Arbeitsschwerpunkte waren:

  • Beschreibung hochenergetischer Streuprozesse mit dem Reggepol-Modell
  • Kinematische Singularitäten von Streuamplituden
  • Dispersionstheorie und Regge-Phänomenologie
  • Invariante Funktionen und diskrete Symmetrien
  • Verhalten von Kommutator-Matrixelementen bei kurzen Abständen

Diese WE bestand 1970 aus zwei AH6 und fünf AH4-Professoren sowie zwei Assistenzprofessoren.

Im Laufe der Jahre verloren die Direktorien der WEs an Bedeutung, da alle wichtigen WE-Beschlüsse im Fachbereichsrat noch einmal bestätigt werden mussten. Direktoriumsbeschlüsse dienten somit eher der Erfüllung einer gesetzlichen Vorgabe. Auch aus diesem Grunde setzte der Akademische Senat im Jahr 1987 eine Kommission zur Überprüfung der Struktur der Freien Universität Berlin und zur Erarbeitung von Strukturempfehlungen für die neunziger Jahre ein. Diese kam für den FB Physik zu dem Ergebnis, die Arbeitsgruppen des FB in zwei Institute – eines für Experimentalphysik und eines für Theoretische Physik – zusammenzufassen. Damit reduzierte sich die Anzahl der gesetzlich vorgesehenen Direktorien auf zwei, was eine Entlastung auf der Selbstverwaltungsebene bedeutete.

Um das zu unterstreichen, sei eine Passage aus dem im Oktober 2000 verfaßten Fachbereichsbericht anläßlich einer externen Evaluation von Studium und Lehre an den Berliner Universitäten zitiert: "Trotz der formalen Gliederung in zwei Institute verzichtet der FB Physik der FU weitgehend darauf, Entscheidungen von übergeordneter Bedeutung auf der Ebene der beiden Institutsdirektorien für den Fachbereichsrat vorzubereiten. Das entlastet vor allem die Hochschullehrer als Mitglieder des Direktoriums. Viele wichtige Entscheidungen werden im Dekanat (bestehend aus Dekan, Prodekan und Verwaltungsleiter) gefällt und dem Fachbereichsrat als Kontrollinstanz zur Zustimmung vorgelegt. Langwierige Diskussionen entfallen, da das Dekanat bemüht ist, potentielle Konfliktfälle durch Gespräche mit den Betroffenen vorab zu entschärfen und gut begründete Beschlüsse zu fassen. Bei allen Verwaltungsvorgängen profitiert der FB von den langjährigen Erfahrungen und dem Engagement des Verwaltungsleiters." Dieses Amt hatte D. Herold von 1970 bis zu seiner Pensionierung 2002 inne. Als Diplomphysiker war er mit den Bedürfnissen des Faches bestens vertraut. Der FB Physik verdankt ihm den Aufbau einer effizient organisierten und fachdienlich arbeitenden FB-Verwaltung. Er lieferte profilgebende Beiträge über die Fachbereichsgrenzen hinweg, z.B. die Einführung einer internen leistungsbezogenen Mittelverteilung, die für die Universitätsleitung zum Vorbild für die Ausstattung aller Fachbereiche wurde. Als Vermittler zwischen Fachbereich und Präsidialverwaltung hatte er großen Anteil am Aufstieg und Erfolg des FB Physik.

Zu 2: Überführung habilitierter wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hochschullehrerstellen

Das Universitätsgesetz von 1970 sah u.a. vor, bewährten Mitarbeitern mehr Möglichkeiten zur eigenen Profilierung einzuräumen. Wiss. Assistenten, die am 1.8.1969 wenigstens 4 Jahre beschäftigt waren und denen ein Habilitationsgutachten die Eignung zum Hochschullehrer zuerkannt hatte, wurden zum Wissenschaftlichen Rat und Professor (AH4) ernannt. Die Habilitation musste bis zum 31.03.1971 oder bei Beantragung eines möglichen Aufschubs spätestens am 30.04.1972 vorliegen. In Verbindung mit Regelungen des Fachhochschulgesetzes (FHSG) vom 27.11.1970 führte das wenig später zur Ernennung zum AH5-Professor.

Diese gesetzliche Regelung bescherte dem FB einen sprunghaften Anstieg des Lehrkörpers wie im Diagramm im Anhang 1 eindrucksvoll zu sehen ist. Es ist erwähnenswert, dass zehn der termingerecht durchgeführten Habilitationsverfahren noch von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät entschieden wurden und nur zwei in die Verantwortung des am 15.6.1970 konstituierten Fachbereichsrats fielen. Der FB Physik profitierte von dieser Gesetzesregelung, da auf diese Weise erfahrene Nachwuchswissenschaftler rekrutiert wurden, die in der Lehre voll einsatzfähig waren und nun die Möglichkeit erhielten, eigene Drittmittel einzuwerben. Dies brachte eine wesentliche Verstärkung der unten beschriebenen Forschungsleistungen des FB Physik.

Zu 3: Einrichtung von Assistenzprofessuren

Die Schaffung von Assistenzprofessuren war nicht nur ein Novum in der Hochschullandschaft der Bundesrepublik, sondern ein wichtiger Schritt zur Öffnung der deutschen Hochschule für fähige Nachwuchskräfte. In der Rückschau erscheint es unverständlich, dass eine kurzsichtige Bildungspolitik diese Stellen bald wieder abschaffte und durch weisungsgebundene Hochschulassistenten ersetzte. Es dauerte eine Generation, bis ein ähnliches Konzept in Form der "Juniorprofessur" wieder aufgegriffen wurde.

Dem FB Physik haben diese Stellen weiteren Auftrieb verliehen. Nach kritischer Auswahl wurden im Jahr 1970 zehn Assistenzprofessoren eingestellt, vierzehn weitere folgten 1971. Die Stellen waren auf vier Jahre befristet, konnten später aber nach positiver Begutachtung um zwei Jahre verlängert werden. Das Qualifikationsziel, die Habilitation, erreichten bis auf zwei Ausnahmen (diese entschieden sich für eine Karriere außerhalb der Hochschulen) alle Stelleninhaber der 1. Generation (siehe Anhang 1: Häufung der Habilitationen im Jahre 1976). In Forschung und Lehre waren die Assistenzprofessoren gleichermaßen erfolgreich. Sie waren motiviert, fachlich sehr gut und zeigten eine hervorragende Leistungsbereitschaft. Ihre Vorlesungen enthielten neue Konzepte und waren bei den Hörern beliebt. Der Fachbereichsrat wachte darüber, dass die Ass.Profs. weitgehend eigenständige Arbeitsgruppen, ausgestattet mit den notwendigen Mitteln, bilden konnten. Im Fach Physik waren solche Maßnahmen leicht zu realisieren, da die Forschung streng projektorientiert ist und bei den Professoren die Bereitschaft bestand, Sach- und Personalmittel mit den Ass.Profs. zu teilen. Die fachliche Begleitung war in natürlicher Weise gewährleistet durch gemeinsame Forschungsseminare, Beteiligung an Drittmittelprojekten sowie Teilnahme an nationalen und internationalen Tagungen, auf denen die erzielten Resultate kritisch diskutiert wurden. Fast alle Ass.Profs. waren in ein Drittmittelprojekt eingebunden und daher einer ständigen Leistungskontrolle unterworfen. Wie erfolgreich dieses Konzept war, wird durch die Tatsache belegt, dass in der Folgezeit bis auf die zwei Ausnahmen alle ehemaligen Ass.Profs. auf Professuren berufen wurden.

Zu 4: Mitbestimmung aller Gruppen in Entscheidungsprozessen

Das Mitbestimmungsrecht und die Zusammensetzung der Gremien stand im Zentrum  heftiger hochschulpolitischer Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und rigorosen Kritikern des 69er Universitätsgesetzes und führte in den Folgejahren in vielen Bereichen zu einer politischen Polarisierung, welche die Entwicklung der Freien Universität auf lange Zeit behinderte und ihrem Ansehen schadete. Der Fachbereich Physik war bemüht, sich diesen Auseinandersetzungen zu entziehen und einer sachbezogenen Offenheit den Vorrang zu geben. Das zeigte sich u.a. darin, dass für die Fachbereichswahlen ab 1972 weder Hochschullehrer noch Wiss. Mitarbeiter Listen für bestimmte hochschulpolitische Gruppierungen aufstellten. Auch bei sachorientierten Entscheidungen auf Instituts- oder Fachbereichsebene kam es zu einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen Professoren und Assistenten, denn gab es von jeher einen intensiven kritischen Dialog über Planung und Durchführung von Projekten sowie über die Interpretation der Ergebnisse und deren Veröffentlichung. Für die wiss. Mitarbeiter war dies letztlich auch ein bedeutsamer Teil der Ausbildung.

Die Anderen Dienstkräfte hielten sich bei Fragen die Forschung betreffend in aller Regel zurück und beschränkten sich fast ausschließlich auf Personalprobleme, deren Behandlung im Instituts- oder Fachbereichsrat die Transparenz der Entscheidungen erhöhte. Sehr häufig erwies sich jedoch das Mitbestimmungs- bzw. Mitwirkungsrecht der Personalvertretungen als hemmend, wenn es aus guten Gründen darum ging, Entscheidungen zügig zu treffen und nicht zu verzögern.

Eine grundsätzliche Schwierigkeit bei der studentischen Mitbestimmung ergab sich aus der kurzen Dauer der Mitgliedschaft in den Gremien. Bedingt durch den häufigen Wechsel fehlte die Kontinuität, und neue Studentenvertreter mussten im Jahresrhythmus frisch informiert werden, was bei vielen Beratungsgegenständen sehr zeitaufwendig war und Frustration bei denen erzeugte, die sich immer wieder mit bereits überholten Argumenten befassen mussten. Da sie in Forschungsangelegenheiten nicht mitreden konnten, konzentrierten sich die Studentenvertreter auf die Ausbildung. Über die Ausbildungskommission versuchten sie, die Leistungsanforderungen abzuschwächen. Das gelang ihnen teilweise und schwächte die Güte der Ausbildung für lange Zeit. Die Professoren wurden der ständigen Diskussionen überdrüssig. Sie tolerierten daher diese Situation und bauten auf die Erfahrung, dass talentierte Studenten jedes System überstehen. Sie konzentrierten sich auf die Betreuung der Diplomanden und Doktoranden, bei denen nach Aufnahme in Arbeitsgruppen und Beteiligung an Forschungsprojekten die Motivation merklich anstieg und zu größerer Leistungsbereitschaft führte.

Im Rückblick muss gesagt werden, dass die Mitbestimmung einen enormen Zeitverlust für alle bedeutete, die sich in den Gremien engagierten. Es dauerte etwa 15 Jahre, bis die ideologisch geprägten Positionen verschwanden und alle Gruppen gelernt hatten, effizient zu kollaborieren.

VI Die strukturelle Entwicklung des Fachbereichs Physik seit 1970

Der im Diagramm (Anhang 1) dargestellte starke Anstieg der Professorenzahl in den 70er Jahren war Ausgangspunkt für eine Erweiterung der wissenschaftlichen Arbeitsgebiete, die sich auch in einem breiteren Lehrangebot niederschlug. Die wichtigsten fachlichen Erweiterungen waren der Aufbau einer Festkörpertheorie, der Ausbau der Quantenfeldtheorie und mathematischen Physik, die Wiedereinführung der Biophysik, sowie Berufungen mit dem besonderen Ziel, Sonderforschungsbereiche der DFG im Fachbereich zu stärken. Diese Schritte werden im Folgenden beschrieben.

Aufbau eines Instituts für Theorie der kondensierten Materie

Der Aufbau der Festköpertheorie wurde noch in der alten Math.-Nat. Fakultät beschlossen und kam vor allem auf Betreiben der damals neu berufenen Experimentalphysiker zustande, die in dem fachlich anders ausgerichteten Institut für Elementarteilchentheorie nicht das für ihre Forschung förderliche theoretische Umfeld fanden. Der Grundstein für die Einrichtung eines Instituts für Festköpertheorie wurde im März 1971 mit der Berufung von K.-H. Bennemann gelegt. Er war ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, hatte 1962 an der University of Illinois in Urbana bei den Profs. Seitz und Köhler promoviert, dort weitere zwei Jahre als Postdoc bei dem späteren Nobelpreisträger J. Bardeen verbracht, war dann 1964–1966 Assistent Professor an der University of Chicago und anschließend ein Jahr Gastprofessor in Cambridge/England. Er wurde 1967 Professor an der University of Rochester und kam von dort 1971 nach Berlin. Zahlreiche abgelehnte Rufe an amerikanische, kanadische und deutsche (Dortmund) Universitäten zeugten von seinem hervorragenden wissenschaftlichen Renommee. Bennemann hatte großen Einfluss auf die wissenschaftliche Entwicklung des Fachbereichs. Geprägt durch seine Ausbildung in den USA besaß er die Fähigkeit, sich fachlich mit Experimentalphysikern auszutauschen. Er trug entscheidend zur Gründung von drei Sonderforschungsbereichen am Fachbereich bei und beteiligte sich mit Teilprojekten[20] in den Sfbs 161, 6, 337, 290 und 450 (siehe unten). Seine Vielseitigkeit zeigt sich u.a. in der Ausrichtung zahlreicher internationaler Fachtagungen und in seiner Funktion als Buchautor und Herausgeber. Hervorzuheben sind die Werke über Physics of Superconductors und Nonlinear Optics in Metals, Gebiete, die Schwerpunkte seiner eigenen Arbeiten beinhalten. Forschungsaktivitäten der AG Bennemann, die internationale Anerkennung fanden, waren Supraleitung (mit J. Schmalian und D. Manske), Magnetismus (mit P. Jensen), Nano-Physik (mit G. Pastor und M. Garcia) sowie Kurzzeit-Dynamik (mit P. Stampfli und W. Hübner). Aus dieser Arbeitsgruppe gingen zahlreiche Professoren hervor.

Bennemann erreichte in Berufungsverhandlungen die Bewilligung von zwei AH5-und drei Ass.Prof.-Stellen für den weiteren Aufbau der Festkörperphysik. So entstand unter seiner Leitung 1971 dieWE 5: Institut für Theorie der Kondensierten Materie (Standort Arnimallee 3), anfangs mit folgenden Arbeitsgebieten:

  • Phasenübergänge
  • Eigenschaften von Grenzflächen und Oberflächen
  • Magnetismus, Supraleitung und Nano-Physik

Diese Einrichtung wurde durch die Berufung von K.-D. Schotte im Oktober 1972 auf die zweite AH6-Stelle in der WE 5 weiter ausgebaut. Schotte hatte 1966 in Köln promoviert und sich 1970 in Düsseldorf habilitiert. Auslandsaufenthalte an der UC San Diego und in Saclay zeichneten ihn aus. Auch konnte er in Berufungsverhandlungen noch eine zusätzliche AH5- und zwei Ass.-Prof.-Stellen für die Festkörpertheorie durchsetzen. Sein Arbeitsgebiet war die Statistische Mechanik integrabler Systeme mit Schwerpunkt bei Modellen für Phasenübergänge in Festkörpern, magnetische Phänomene wie z.B. Kondo-Effekt sowie frustrierte Spinsysteme und Spingläser.

In den folgenden Jahren wurden zusätzlich vier AH5-Stellen besetzt, was mit einer eindrucksvollen thematischen Erweiterung der Forschungsaktivitäten des Instituts einherging. H. Stenschke (Juni 1971) brachte Neues ein durch seine Arbeiten zu superfluidem Helium (He II), darunter Untersuchungen des Phasenübergangs von Heliumfilmen als Funktion der Filmdicke. W. Helfrich (April 1973) hatte sich während einer mehrjährigen Tätigkeit in Industrielaboratorien (RCA-Labs Princeton, Hoffmann-LaRoche Basel) einen Namen in der Flüssigkristallforschung gemacht und stützte mit seinen Arbeiten zur Statistischen Mechanik fluider Membranen die spätere Bildung eines biophysikalischen Schwerpunkts am FB Physik. F. Forstmann (Oktober 1974) war mit Arbeiten zur Oberflächenphysik, insbesondere zur Theorie der elektronischen Oberflächenzustände sowie zur nichtlokalen Metalloptik hervorgetreten, und I. Peschel (Mai 1978) ergänzte mit dem Studium von Phasenübergängen in niedrigdimensionalen magnetischen Systemen das Forschungsspektrum des Instituts.

Gründung einer Arbeitsgruppe für Quantenfeldtheorie und mathematische Physik

Angesichts der großen Bedeutung der Theorie der Elementarteilchen für die Grundlagenphysik und für die Ausbildung wurde die WE 4 durch Gründung einer Arbeitsgruppe für Quantenfeldtheorie und mathematische Physik verstärkt. Als Leiter wurde B. Schroer im Mai 1971 auf eine AH6-Stelle berufen. Er hatte 1959 an der Universität Hamburg promoviert und sich dort 1963 habilitiert. Von 1959–1961 war er Postdoc an der University of Illinois in Urbana, danach von 1963–1964 am Institute for Advanced Studies in Princeton und von 1964–1970 Associate Professor an der University of Pittsburg/PA. Von dort kam er nach Berlin. Dem Arbeitsgebiet wurden zwei AH5-Stellen zugewiesen, auf die im Oktober 1971 R. Seiler und im September 1973 R. Schrader berufen wurden. Beide waren ausgewiesene Vertreter der mathematischen Physik. Seiler wurde 1983 auf eine AH6-Stelle an die TU Berlin berufen. Sein Nachfolger wurde Ende 1987 K. Fredenhagen, der jedoch schon 1990 einem Ruf auf eine C4-Professur an der Universität Hamburg folgte. – Schrader hatte 1969 an der ETH Zürich promoviert und sich 1971 an der Universität Hamburg habilitiert. Zwischen 1970 und 1973 war er Research Fellow an der Harvard University und Research Associate an der Princeton University. Der AG standen mehrere Ass.Prof.-Stellen und von Anfang 1980 bis Ende 1983 eine mit M. Karowski besetzte Professur auf Zeit zur Verfügung. Die AG befasste sich mit Problemen der Mathematischen Physik und der Quantenfeldtheorie, darunter in jüngster Zeit mit Konformen Feldtheorien. Dazu gehören Modelle, die in der String-Theorie zur Beschreibung nichttrivialer Raum-Zeit-Hintergründe benötigt werden. Weiter wurden integrable eindimensionale Quantenmodelle untersucht für die explizite Lösungen der Streumatrix, Matrixelemente lokaler Operatoren und Korrelationsfunktionen konstruiert wurden. Beziehungen zwischen konformen Feldtheorien und Anwendungen in der Festkörperphysik werden aufgezeigt. Bei den Quantenmodellen für die Festkörperphysik geht es um die Bewegung von Teilchen auf Netzwerken, an deren Knotenpunkten Streuprozesse auftreten. Sie dienen der Beschreibung von Nanoröhren und des Quanten-Hall-Effekts.

Einrichtung der Biophysik

Obwohl 1964 die Biophysik aus dem I. Physikalischen Institut ausgezogen war, entwickelten sich später im Fachbereich zwei biophysikalische Forschungsaktivitäten. Die AG von K. Möbius – der 1965 am II. Physikalischen Institut promovierte und sich nach einer zwischenzeitlichen Tätigkeit in der Industrie 1969 habilitiert hatte und dann zum AH4-Professor ernannt wurde – widmete sich seit Mitte der 70er Jahre der Untersuchung von Primärprozessen in der Photosynthese unter Ausnutzung von Spinresonanz-Methoden. Zu diesem Thema hatte er ein Teilprojekt "Struktur und Funktion bioorganischer Molekül-Aggregate in lichtinduzierten Energie- und Ladungstransfer-Prozessen" im Sfb 337. Internationales Ansehen erhielt Möbius für seine EPR- und ENDOR [21]-Experimente in hohen Magnetfeldern an großen Biomolekülen, woraus sich wesentlich genauere Aussagen über die lichtgetriebenen Vorgänge in den Reaktionszentren ergaben. – Ein anderes biophysikalisches Projekt wurde von W. Helfrich in der WE 5 verfolgt. Es betraf die theoretische und experimentelle Erforschung der Materialeigenschaften und die Statistische Mechanik von fluiden Membranen. Er hatte dazu das Teilprojekt "Strukturen von biologischen Modellmembranen" im Sfb 312 Gerichtete Membranprozesse.

Diese Ansätze reichten nicht aus, um eine biophysikalische Ausbildung am FB zu gewährleisten. Da das Gebiet zunehmend an Bedeutung gewann und das Interesse der Studenten weckte, erschien es angebracht, am Fachbereich den Ausbildungsgang Biophysik einzurichten. Diesem Ziel diente die Berufung von M. Heyn auf eine C4-Stelle22] für Biophysik im August 1981. Sie war organisatorisch der WE 1 zugeordnet. Nach einem Studium in Amsterdam und Princeton hatte Heyn 1972 in Stanford promoviert und arbeitete danach bis zu seiner Berufung an die FU am Biozentrum der Universität Basel, wo er sich 1977 habilitierte. Mit Methoden der zeitaufgelösten optischen Spektroskopie untersuchte er Energietransfer und lichtgetriebenen Protonentransport in biologischen Membranen sowie photoelektrische Eigenschaften des Bacteriorhodopsins. Er beteiligte sich ab 1985 mit einem TP über "Struktur, Funktion und Faltung von Retinalproteinen" an dem Sfb 312. An BESSY[23] untersuchte er als erster mit Röntgenbeugung die Elektronendichteverteilung in 2D-Rhodopsin und führte Strukturuntersuchungen von funktionell wichtigen Zwischenzuständen im Photozyklus von Bacteriorhodopsin durch. Zur Verstärkung der Biophysikgruppe wurde im April 1982 G. Büldt auf eine C3-Stelle berufen. Er kam ebenfalls aus dem Biozentrum der Universität Basel, wo er sich 1978 habilitiert hatte, und war spezialisiert auf Neutronen- und Röntgenstreuung an biologischen Molekülen. An der FU untersuchte er, gefördert vom BMFT24], mit diesen Methoden vorrangig Struktur und Dynamik von Membranproteinen und Bacteriorhodopsin. Zusammen mit Büldt baute Heyn die für den Ausbildungszweig Biophysik notwendigen Vorlesungen und Praktika auf. Büldt folgte im September 1993 einem Ruf an das Forschungszentrum Jülich, verbunden mit einer Professur an der Universität Düsseldorf. Sein Nachfolger, H. Dau, konnte aufgrund von Stellensperrungen erst im Februar 2000 berufen werden.

Weiterer Ausbau durch zielorientierte Berufungen

Hier werden Professoren genannt, die neue Forschungsgebiete in den FB Physik einbrachten und dessen wissenschaftliche Entwicklung maßgeblich mit gestalteten. Dazu muss betont werden, dass alle Berufungen auf dem Gebiet der Experimentalphysik gezielt auf eine Stärkung der jeweils aktuellen Sfbs ausgerichtet waren. Dieses Kriterium wurde im Ausschreibungstext deutlich gemacht und bei der Auswahl der Kandidaten in allen Fällen streng beachtet. Alle Neuberufenen waren jedoch flexibel genug, um später auch mit anderen Themen am allgemeinen wissenschaftlichen Fortschritt teilzunehmen und diesen mit zu gestalten. Diese Vorgehensweise brachte dem FB große Vorteile, weil dadurch die für Förderung kooperativer Forschung benötigte "kritische Masse" geschaffen wurde und erhalten blieb. Im Folgenden werden die wichtigsten Berufungen in chronologischer Reihenfolge aufgeführt.

V. Linke wurde im Juni 1972 berufen, um die Ausbildung in Numerischer Physik kompetent zu betreuen. Er hatte 1965 an der Universität Marburg promoviert und sich dort im Jahr 1969 mit dem Thema "Leptonische Zerfälle polarisierter Baryonen" habilitiert. Seine Forschungsaktivitäten lagen auf dem Gebiet der Theoretischen Elementarteilchenphysik und Quantenfeldtheorie mit dem Schwerpunkt computerunterstützter Untersuchungen von Gittereichtheorien in Anwesenheit bosonischer und fermionischer Materiefelder. Später beteiligte er sich gemeinsam mit Wissenschaftlern der HU Berlin und des DESY-Zeuthen an dem Graduiertenkolleg "Strukturuntersuchungen, Präzisionstests und Erweiterungen des Standardmodells der Elementarteilchenphysik" mit einem Teilprojekt über Gittereichtheorien und numerische Simulationen.

D. Stehlik wurde im Juli 1976 an die FU berufen. Er promovierte 1966 in Heidelberg, war von 1967–1969 mit einem DFG-Stipendium Postdoc an der UC Berkeley und anschließend bis zu seiner Berufung 1976 Wiss. Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Molekulare Physik in Heidelberg. 1975 habilitierte er sich in Heidelberg mit dem Thema "Der Mechanismus der Optischen Kernspinpolarisation in Molekularen Kristallen". In der WE 1 gründete er eine Forschungsgruppe auf dem Gebiet der magnetischen und optischen Resonanzspektroskopie in Molekülkristallen. Zusammen mit H.-M. Vieth, der im Januar 1977 auf eine AH4-Professur berufen wurde, beteiligte er sich am Sfb 161 mit einem TP über "Angeregte Zustände in Molekülkristallen". Doch bald widmete er sich stärker der Untersuchung biologischer Moleküle. Auf dem Programm stand vor allem die Dynamik von Photoreaktionen. Dafür installierte seine Arbeitsgruppe zeitaufgelöste Messverfahren für die optische und die magnetische Spektroskopie. Am Sfb 312 beteiligte er sich ab 1985 mit einem TP über "Transiente ESR-Spektroskopie an Reaktionszentren der Photosynthese". Gleichzeitig wirkte Stehlik maßgeblich an der Einrichtung des Sfb 337 Energie- und Ladungstransfer in Molekularen Aggregaten mit und war dessen Sprecher während der gesamten Förderungszeit von 1987 bis 1998. Seit 2000 hat er ein TP im Sfb 498, dessen Sprecher er 2002 wurde. Insgesamt hat er sich mit seinen Arbeiten über die photoinduzierten Prozesse in organischen und biologischen Molekülen große internationale Anerkennung erworben.

G. Kaindl wurde im November 1976 als Nachfolger von Prof. Hüfner berufen, der im Mai 1975 einem Ruf an die Universität Saarbrücken gefolgt war. Kaindl war Schüler von Prof. Kienle und Assistent des Nobelpreisträgers R. Mößbauer an der TU München, bei dem er 1969 promovierte. Danach wechselte er an das LBL Berkeley zu Prof. Shirley, zunächst als Fellow des Miller Institute for Basic Research in Science der UC Berkeley (1969–1971) und dann für ein weiteres Jahr als "Staff Member". Dort nutzte er die Kernresonanz an orientierten radioaktiven Kernen für festkörperphysikalische Anwendungen und betrieb Mössbauerspektroskopie am 181Ta und an geradzahligen Yb-Isotopen nach Coulomb-Anregung mit einem Tandem-Beschleuniger in Stanford. Danach kehrte er an die TU München zurück, wo er sich 1974 habilitierte. Anschließend ging er als Universitätsdozent an die Ruhr-Universität Bochum, wo er sich mit hochkorrelierten Materialien unter höchstem Druck befasste. 1976 folgte er dem Ruf an die FU. Hier baute er eine leistungsstarke AG auf dem Gebiet der Festkörperphysik auf. In den Sfb 161 brachte er ein festkörperphysikalisches TP ein (mit G. Wortmann). Parallel dazu startete er Projekte auf den Gebieten der Photoemission (mit W.D. Schneider), der XANES [25]- und EXAFS [26]-Spektroskopie. Inverse Photoemission, Rastertunnel- und Elektronen-Emissions-Mikroskopie sowie optische Kerr-Mikroskopie (mit A. Bauer) erweiterten mit der Zeit das Spektrum der experimentellen Methoden. Für Photoemissionsmessungen mit magnetischem Kontrast nutzte er (mit K. Starke) den zirkularpolarisierten Anteil der Synchrotron-Strahlung von BESSY und BESSY II, um magnetische Eigenschaften dünner Filme der 3d-Übergangsmetalle und der Lanthaniden zu untersuchen. Besonders hervorzuheben sind der Zirkulardichroismus in der 4f-Photoemission, die d-artigen Oberflächenzustände an Lanthanidmetalloberflächen (mit C. Laubschat) sowie hochauflösende Photoabsorptionsmessungen an Autoionisationszuständen des Heliums. Er beteiligte sich mit Teilprojekten an den Sfbs 337, 6 und 290 und warb über die Jahre hinweg umfangreiche Drittmittel vom BMBF [27], der DFG, der EU und der Lotto-Stiftung Berlin ein. Er war Sprecher des Interdisziplinären Forschungsverbundes Materialforschung, der von 1994–97 am Fachbereich angesiedelt war. Von 1995 bis 1997 hatte er das Amt des Vizepräsidenten für Naturwissenschaften und Forschung der FU inne. Kaindl lehnte in den Jahren 1987 und 1989 Rufe an die Universitäten Graz und Karlsruhe (Forschungszentrum) ab.

H. Kleinert hatte 1967 an der University of Colorado in Boulder promoviert und war dann als Assistant Professor an die Montana State University gegangen. Nachdem er sich 1969 an der FU habilitiert hatte, wurde er im selben Jahr zum AH4-Professor ernannt. Die Ablehnung von Rufen an die Universität Dortmund und die Gesamthochschule Wuppertal führte im Dezember 1976 zur Ernennung zum AH6-Professor. Kleinert zählt mit seiner AG "Angewandte Quantenfeldtheorie" zu den wissenschaftlich Produktivsten am Fachbereich. Er verfasste etliche Bücher über seine Forschungsergebnisse (vergl. Anlage 4), die ihm weltweite Anerkennung brachten. Ein zentrales mathematisches Werkzeug ist der Funktionalintegral-Formalismus, der vom Nobelpreisträger R. Feynman eingeführt wurde. Bei ihm verbrachte Kleinert wiederholt Forschungssemester, und gemeinsam veröffentlichten sie die Feynman-Kleinert-Theorie auf dem Gebiet der Statistischen Mechanik. Er erweiterte die Theorie der Distributionen und die Menge exakter Lösungen von Pfadintegralen. Mit Pfadintegralen lassen sich die unterschiedlichsten Systeme auf einheitliche Weise behandeln, sofern sie durch thermische, quantenmechanische oder statistische Fluktuationen beherrscht werden. Der Erfolg der Methode zeigt sich in der Breite der von ihm untersuchten Fragestellungen. Selbst auf die Fluktuationen in Finanzmärkten hat er seine Theorien angewendet. Kleinert entwickelte Unordnungs-Feldtheorien zur Beschreibung Defekt- und Vortex-induzierter Phasenübergänge in Flüssigkristallen, Supraflüssigkeiten, Supraleitern, Mikroemulsionen und Polymerlösungen. Kleinert lehnte in den Jahren 1992 und 1998 Rufe an die Universitäten Braunschweig und Graz ab.

K. Baberschke wurde im November 1977 AH4-Professor, nachdem er in der WE 1 von 1971 bis 1977 Ass.Prof. gewesen war. Nach Ablehnung eines Rufes an die LMU[28] München wurde er 1984 C3 Professor am Fachbereich. Baberschke hatte 1971 bei Prof. Elschner an der TH Darmstadt mit der Dissertation "ENDOR-Experimente an Seltenen Erden in Fluorid-Kristallen" promoviert. In der WE 1 baute er eine Arbeitsgruppe für magnetische Resonanz auf und hatte im Sfb 161 ein TP "ESR in metallischen Systemen". 1973/74 war er anderthalb Jahre bei Prof. Orbach an der UCLA[29]. Danach habilitierte er sich Anfang 1976 an der FU mit Arbeiten zur ESR in Supraleitern. Am Sfb 6 beteiligte er sich mit einem TP "Magnetische Resonanz an Adsorbatschichten" und im Sfb 290 leitete er ein TP "Struktur und Magnetismus von 3d- und 4f-Filmen". Auf dem Gebiet des Magnetismus genießt Baberschke weltweite Anerkennung, die sich in zahlreichen Tagungseinladungen, Forschungsaufenthalten und internationalen Kooperationen widerspiegelt. Seine wissenschaftlichen Interessen waren breit gefächert. So nutzte er ab 1982 die Synchrotronstrahlung von BESSY, um mit Röntgen-Absorptionsspektroskopie die Struktur und Dynamik von adsorbierten Atomen und Molekülen auf Oberflächen sowie den zirkularen Dichroismus von 3d- und 4f-Monolagen zu untersuchen, Arbeiten, die durch das BMBF mit beachtlichen Mitteln gefördert wurden. 1993 lehnte er einen Ruf auf eine C4-Professur an der TH Dresden ab.

I.V. Hertel wurde im November 1978 als Nachfolger von Prof. Honerjäger berufen. Er hatte 1969 in Freiburg promoviert, und war nach einer Assistentenzeit in Mainz von Ende 1970 bis zu seiner Berufung Wiss. Rat und Professor an der Universität Kaiserslautern. Dort beteiligte er sich maßgeblich an der Einrichtung des ersten Kaiserslauterner Sfbs und war 1977/78 dessen Sprecher. Das Forschungsgebiet von Hertel war die Laser-Spektroskopie an Atom- und Molekülstrahlen mit der Zielsetzung, Stoßprozesse mit optisch angeregten Atomen zu studieren. In Berlin führte er diese Arbeit fort und brachte in den Sfb 161 ein Teilprojekt ein, in dem inelastische Stöße zwischen optisch selektiv angeregten Atomen und Ionen, Molekülen oder Molekülclustern untersucht wurden. Weitere Projekte widmeten sich dem Studium der Ionisation und Fragmentation bei Anregung von Molekülen mit Synchrotronstrahlung unterschiedlicher Energie sowie der Erforschung von Reaktionskanälen nach Anregung von Atom-Molekülclustern. Diese Arbeiten gehörten zum Kernbereich des Sfb 337, an dessen Beantragung Hertel maßgeblich beteiligt war. Schon 1986 folgte er einem Ruf an die Universität Freiburg, wo er Gründungsdirektor des Freiburger Materialforschungszentrums wurde. Im Mai 1992 kehrte er nach Berlin zurück, zunächst als Direktor des damaligen Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie in Adlershof. Die Anbindung an den Fachbereich geschah durch Berufung auf eine S-Professur im Juli 1993.

N. Schwentner wurde im April 1982 auf die C3-Stelle (Nf. Andrä) berufen. Zweck der Berufung war die Stärkung der Fachbereichs-Aktivitäten an der Synchrotronstrahlungsquelle BESSY, die zu dieser Zeit in Betrieb genommen wurde. Schwentner hatte ausgiebige Erfahrungen mit Synchrotronstrahlung. Schon für seine Doktorarbeit über Photoemissionsmessungen an Edelgasen nutzte er die Synchrotronstrahlung des Hamburger Elektronenbeschleunigers DESY[30]. Nach seiner Promotion 1975 in München war er von 1975 bis 1982 Assistent bei Prof. Haensel in Kiel, setzte aber während dieser Zeit seine Experimente an DESY fort. An der FU baute er eine Arbeitsgruppe auf, die sich mit der Untersuchung von Photoprozessen in Festkörpern ausgelöst durch Synchrotronstrahlung oder gepulster Laserstrahlung beschäftigte. Das beinhaltete u.a. Anregung und nachfolgende Energiedissipation von Metallatomen oder kleinen Molekülen eingelagert in Edelgasmatrizen. Dazu gehörten die Photodissoziation von Halogendimeren oder Trimeren (z.B. Wasser), die Dynamik der Fragmente sowie die zeitaufgelöste Beobachtung dabei angeregter Gitterschwingungen. Ferner wurden Alkalihalogenid-Ionen in Edelgasmatrizen als potentielle Lasermaterialien identifiziert. Auch die Mikrostrukturierung von Halbleiteroberflächen und von Kupfer mit photochemischem Ätzen stand auf dem Programm. Schwentner hatte mehrere Projekte im Verbund Synchrotronstrahlung und beteiligte sich an den Sfbs 6, 337 und 450 mit einschlägigen Teilprojekten.

K. H. Rieder wurde im Juni 1986 auf die C4-Stelle Nf. Wilking berufen. Er hatte 1968 an der Universität Wien promoviert, war dann drei Jahre am Reaktorzentrum Seibersdorf, vier Jahre am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und von 1975–1986 am IBM Research Laboratory Zürich/Rüschlikon. Auf diesen Stationen hatte er verschiedene Methoden der experimentellen Festkörper- und Oberflächenphysik kennengelernt, die er im Fachbereich einführte. Seine Projekte waren: 1) Die Beugung und inelastische Streuung von Atom- und Molekularstrahlen an Festkörperoberflächen, um Schwingungseigenschaften von Oberflächen und dünnen Filmen zu untersuchen. 2) Die hochauflösende Elektronenbeugung, um Wachstum und Struktur dünner Schichten zu kontrollieren. 3) Die Raster-Tunnelmikroskopie im UHV[31], um Oberflächen- und Adsorbatstrukturen zu erkennen. – Mit dem Tunnelmikroskop gelang es ihm und seinen Mitarbeitern, bei tiefen Temperaturen einzelne Atome gezielt zu bewegen und damit künstliche Nanostrukturen aufzubauen. Weiterhin wurde von R. Koch in seiner AG ein hochempfindliches Biegebalken-magnetometer zur Messung der magnetoelastischen Eigenschaften dünner Filme entwickelt. Rieder war federführend bei der erfolgreichen Antragstellung für den Sfb 290 und während der gesamten Förderungszeit von 1993 bis 2004 dessen Sprecher.

J. Kirschner wurde im Mai 1988 auf eine Fiebiger-Professur[32] berufen. Er hatte 1974 an der TU München promoviert, war danach ein Jahr Wiss. Angestellter am MPI für Plasmaphysik in Garching, arbeitete ab 1975 bei Prof. Ibach am Institut für Grenzflächenforschung und Vakuumphysik der KFA[33] Jülich und habilitierte sich 1982 an der RWTH Aachen. Von dort kam er nach Berlin und sorgte für eine Verstärkung der experimentellen Festkörper- und Oberflächenphysik am Fachbereich. Die Strahlungsquelle BESSY nutzte er für zwei Projekte, einmal für Photoemissionsstudien an magnetischen Schichten mittels zirkular polarisierter Synchrotronstrahlung und zum anderen für den Aufbau eines Spektrometers zur Spinanalyse hochenergetischer Photoelektronen. Am Sfb 290 beteiligte er sich mit einem Teilprojekt über Struktur und elektronische Eigenschaften dünner magnetischer Schichten. Neben der Photoemission baute er dazu ein Raster-LEED-Mikroskop auf. Im Sommer 1992 verließ Kirschner den Fachbereich und nahm eine Direktorenstelle am MPI für Mikrostrukturphysik in Halle an.

L. Wöste folgte im Juli 1989 dem Ruf auf die C4-Stelle Nf. Hertel. Er war Laserexperte und Spektroskopiker und sollte diese Forschungsrichtung im FB Physik weiter stärken. Wöste hatte 1978 an der Universität Bern promoviert und verbrachte danach zwei Jahre Postdoc bei Prof. Zare an der Stanford University. Ab 1980 war er Leiter einer Forschungsgruppe und Lehrbeauftragter an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne und seit 1987 Direktor des neu gegründeten Laser-Applikationszentrums der ETH Lausanne. In Berlin baute er ein Labor auf, in dem Femtosekunden-Laserpulse für zeitaufgelöste Spektroskopie zur Verfügung stehen. Das nutzte er, um ein TP über "Optische und dynamische Eigenschaften von Metallclustern" in den Sfb 337 einzubringen. Er war federführend bei der Antragstellung für den Sfb 450 Analyse und Steuerung ultraschneller photoinduzierter Reaktionen, der ab Juli 1998 gefördert wird und dessen Sprecher Wöste ist. In diesem Sfb hat er ein TP über "Zeitkontrolle ultraschneller chemischer Abläufe in Molekülen und Aggregaten", in dem es nicht nur darum geht, reaktive Prozesse in Echtzeit zu beobachten, sondern auch der Versuch gemacht wird, diese zu steuern. Wöstes Interesse geht weit über die Spektroskopie hinaus und umfasst praktische Laseranwendungen. So gründete er nach der Wende in Teltow die Firma Elight. Kürzlich entwickelte er einen Laser-Guide für Blinde. Schon seit seiner Zeit in Lausanne widmete er sich der Messung von Schadstoffen in der Luft mit LIDAR[34]. An der FU verstärkte er diese Aktivität und richtete beispielsweise auf dem Gebäude der Charité in Berlin und in Leipzig Laser-Stationen ein, die regelmäßig den Grad der Luftverschmutzung über diesen Städten kontrollierten. Zusätzlich baute er eine mobile Messstation auf, mit der die Schadstoffbelastung der Atmosphäre sowie die Zusammensetzung der Aerosole an unterschiedlichen Orten analysiert werden kann. Ferner untersuchte er, ob die bei solchen Messungen erzeugten Weißlichtkanäle in der Luft eventuell Möglichkeiten zum aktiven Blitzschutz eröffnen.

P. Fumagalli wurde im März 1998 auf die C4-Stelle Nf. Kirschner berufen. Damit strebte der Fachbereich eine Verstärkung auf dem Gebiet des Magnetismus an. Fumagalli promovierte Anfang 1990 bei Prof. Wachter an der ETH Zürich und war dort Wiss. Mitarbeiter bis Mitte 1990. Anschließend ging er für zwei Jahre als Postdoc an das IBM Research Center in Yorktown Heights/NY. Ab Nov. 1992 war er am Institut von Prof. Güntherodt an der RWTH Aachen, die ersten zwei Jahre als Vertreter einer C3-Professur und dann als Wiss.Mitarbeiter. Dort habilitierte er sich 1996. Im gleichen Jahr erhielt er den Ruf auf eine C3-Professur an der TU Braunschweig, die er bis zu seinem Amtsantritt in Berlin innehatte. In Berlin trat Fumagalli dem Sfb 290 bei mit einem Teilprojekt, das die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Struktur und Magnetismus dünner metallischer Filme zum Ziel hatte. Im Einzelnen konzentriert sich sein gegenwärtiges Forschungsprogramm auf drei Richtungen: 1) Beobachtung des Wachstums dünner Filme mit wenigen Atomlagen und Nanopartikeln sowie deren magnetische Eigenschaften mit Hilfe des magnetooptischem Kerr-Effekts und der Elektronenbeugung. 2) Zeitaufgelöste Messung der Magnetisierungsdynamik nanoskaliger Systeme nach Anregung mit kurzen Laserpulsen. 3) Studium magnetischer und optischer Eigenschaften auf der Nanometerskala mit Hilfe der Nahfeldmikroskopie.

S-Professuren

Dem Fachbereich Physik sind vier S-Professuren angegliedert, davon drei am HMI und eine am Max-Born-Institut in Adlershof. Die Forschungstätigkeit dieser Stelleninhaber wird im Folgenden kurz skizziert.

W. von Oertzen hat seit Februar 1974 eine S-Stelle im Bereich Kernphysik am HMI inne. Diese Stelle entstand im Zusammenhang mit der Installation eines Schwerionenbeschleunigers, genannt VICKSI, der 1978 in Betrieb genommen wurde. Die Gründe für diesen neuen Beschleuniger bestanden darin, dass zu jener Zeit der van-de-Graaff-Generator veraltet war und technische Fortschritte es ermöglichten, Schwerionen zu beschleunigen. Die Schwerionen-Experimente erforderten anspruchsvollere Nachweissysteme, mit deren Aufbau wurde von Oertzen betraut wurde. Er hatte 1967 in Heidelberg promoviert und verbrachte danach ein Jahr am Kernforschungsinstitut in Orsay. 1971 habilitierte er sich in Heidelberg und arbeitete anschließend zwei Jahre am LRL in Berkeley. Mit dieser Erfahrung baute er am HMI eine Arbeitsgruppe auf, die sich mit ihren Forschungsergebnissen schnell ein hohes wissenschaftliches Ansehen erwarb. Themen waren u.a. die Struktur neutronenreicher leichter Kerne, extrem deformierte Kerne im Massenbereich 40–60 und messmethodische Entwicklungen.

Nach der Umstrukturierung des HMI im Jahre 1995 wurden zwei neue Arbeitsschwerpunkte festgelegt: 1) Die Solarenergieforschung, die Materialien und Herstellungsprozesse zur direkten Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische und chemische Energie untersucht. 2) Die Strukturforschung, die sich das Ziel setzt, atomare und molekulare Strukturen sowie innere Bewegungsprozesse in festen Körpern zu untersuchen und auf der Basis mikroskopischer Modelle zu erklären.

Für die Solarenergieforschung wurdeFrau M.C. Lux-Steiner im August 1995 auf eine S-Professur für Experimentalphysik berufen. Damit war die Aufgabe verbunden, eine neue Abteilung Heterogene Materialsysteme im Bereich Festköperphysik am HMI einzurichten. Frau Lux-Steiner promovierte 1980 an der ETH Zürich mit einer Arbeit, die sie in den Jahren 1977–1980 im Philips Forschungslabor in Eindhoven durchgeführt hatte. 1980 bis 1995 war sie an der Fakultät für Physik in Konstanz, wo sie sich 1991 habilitierte. Davor lag 1990/91 ein einjähriger Forschungsaufenthalt an der Princeton University. Ihre Abteilung am HMI befasst sich mit Fragen der Photovoltaik und der Suche nach neuen Materialien mit besonders hoher Energieumwandlung. Im Zentrum steht die Untersuchung neuer hochabsorbierender Halbleitermaterialien für den Einsatz in Dünnschicht-Solarzellen. Dabei geht es sowohl um Verfahren zur Herstellung dünner Halbleiterschichten als auch um deren Charakterisierung bezüglich struktureller, elektrischer und optischer Eigenschaften. Aus vielen solcher Schichten werden dann Solarzellen aufgebaut an denen der Mechanismus der Stromleitung mit optoelektronischen Verfahren studiert wird.

Als Folge der Programmverschiebung am HMI kam es zu einer Umwidmung der Nf. Eichler in eine S-Professur für das Forschungsgebiet Festkörpertheorie/Vielteilchentheorie. Auf diese S-Professur wurde in Juni 2001 E. Frey berufen. Er hatte sich im Juli 1996 an der TU München mit dem Thema "Statistische Mechanik fluktuierender Mannigfaltigkeiten" habilitiert. Frey arbeitete von 1990–1992 als Postdoc an der Harvard University, wohin er 1998 als Heisenberg-Stipendiat nochmals zurückkehrte. Mit seiner Berufung erweiterte sich das wissenschaftliche Spektrum des FB auf aktuelle Probleme der "Physik der weichen kondensierten Materie" und der Biophysik, mit Forschungsschwerpunkten in der Statistischen Mechanik semiflexibler Polymere, Biopolymere und makromolekularer Netzwerke. Damit ging eine entsprechende Bereicherung des Ausbildungsangebots im Fachbereich einher.

Die vierte S-Professur ist eine Direktorenstelle am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Spektroskopie in Adlershof, auf die I.V. Hertel im Juli 1993 berufen wurde. Seine Aufgabe war, das Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie aufzubauen, dessen Gründung der Wissenschaftsrat nach Evaluierung der ehemaligen Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR dem Land Berlin empfohlen hatte. Drei S-Stellen – jeweils eine an den drei Berliner Universitäten – wurden dafür vorgesehen. Hertel war der erste, der vom Gründungskomitee im Einvernehmen mit dem FB Physik der FU ausgewählt wurde. Auf Hertels Vorschlag wurde das Institut in Max-Born-Institut (MBI) umbenannt. Hertel betreibt in seiner Abteilung ein Femtosekunden-Applikationslabor für externe Nutzer sowie ein Strahlrohr an BESSY II für Experimente mit kombinierter Laser- und Synchrotronstrahlung. Seine Abteilung widmet sich der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der nichtlinearen Optik und Kurzzeitdynamik bei Wechselwirkung von Laserlicht mit Materie. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Weiterentwicklung von Ultrakurzpuls-Systemen, die Verstärkung und Konversion kurzer Laserpulse, die Dynamik und Femtochemie freier Cluster sowie nichtlineare optische Prozesse und Materialstrukturierung. Im Sfb 337 war er erneut mit einem TP über die "Dynamik in Alkaliatom-Molekül-Aggregaten" vertreten. Im Sfb 450 beteiligt er sich mit einem TP über "Ultraschnelle Vibrationsanregung und Femtochemie an molekularen Modellsystemen in der Gasphase".

Medizinische Physik

Die Anwendung von nuklearmedizinischen und strahlentherapeutischen Methoden in der Medizin ab den 50er Jahren schuf die Nachfrage nach Physikern, die sich mit ionisierender Strahlung und dem Umgang mit radioaktiven Präparaten und Beschleunigern auskannten. Der Beruf des "Medizin-Physikers" entstand, der Ärzte und klinisches Personal beim Umgang mit Strahlungsquellen allgemein unterstützen sollte. Um diesen Bedarf zu befriedigen, gründeten die Medizin-Physiker A. Kaul (Klinikum Steglitz) und D. Frost (Rudolf-Virchow-Krankenhaus) 1970 eine Arbeitsgemeinschaft Medizinische Physik. Dieser Gruppe gehörten Kollegen aus den klinischen und vorklinischen Bereichen an sowie Vertreter der Strahlenbiologie und Biochemie. Die Arbeitsgemeinschaft verfolgte das Ziel, Physikstudenten für diese Berufsrichtung zu gewinnen und bot schon ab SS 1970 Vorlesungen und Praktika an, die das Gebiet Nuklearmedizin, Radionuklidanwendungen, Strahlungsphysik und Strahlenbiologie abdeckten. Das Praktikum wurde vom FB Physik als Fortgeschrittenen-Praktikum anerkannt. Im Mai 1977 stimmte der Fachbereichsrat der Einrichtung dieser Arbeitsgemeinschaft am Fachbereich zu, die seitdem offiziell im Vorlesungsverzeichnis geführt wurde.

Im Juli 1979 beschloss der Akademische Senat der FU einen Modellversuch für ein berufsbegleitendes weiterbildendes Studium Medizinische Physik, das in drei Jahren mit insgesamt 360 Unterrichtsstunden absolviert werden sollte. Der erfolgreiche Abschluss sollte durch ein Zertifikat bestätigt werden. Der Modellversuch hatte die Laufzeit vom Oktober 1979 bis September 1983 und wurde vom BMBW [35] und dem zuständigen Senator in Berlin gefördert. Nach einer Vorbereitungszeit nahmen 23 Studenten im SS 1980 dieses weiterbildenden Studium auf, das alle erfolgreich abschlossen. Nach Beendigung des Modellversuchs wurden weiterhin Lehrveranstaltungen für Medizinische Physik im erprobten Umfang angeboten. Neue physikalische Verfahren für Diagnostik und Therapie kamen hinzu und vergrößerten den Kreis der beteiligten Lehrkräfte. Das Gebiet der Laseranwendungen in der Medizin entstand. 1986 wurde das Lasermedizin-Zentrum gegründet, dessen Direktor G. Müller eine Doppelmitgliedschaft im FB Physik und im FB Medizin besitzt.

Der wachsende Bedarf an Medizin-Physikern erfordert in Zukunft den weiteren Ausbau dieses weiterbildende Studiums. Das ist eine Aufgabe aller Hochschulen, die medizinische Einrichtungen besitzen. Daher werden seit 1994 Vorlesungen und Praktika für Medizinische Physik von einer Gemeinsamen Kommission der FU und HU koordiniert.

Von Seiten des FB Physik war K.D. Kramer für die Medizinische Physik zuständig. Er arbeitete auf diesem Gebiet und widmete sich mit seinen Erfahrungen auf dem Gebiet der Kernspinrelaxation Problemen der Bildgebung in der Kernspinresonanz, studierte aber auch die Wechselwirkung von Radiofrequenz-Strahlung mit lebendem Gewebe und betrieb parelektrische Spektroskopie an Zellmembranen.

Kryotechnik

Seit der Berufung Hüfner/Matthias war die Versorgung mit flüssigem Helium eine wichtige Forderung der Experimentatoren. Anfangs konnte der Bedarf aus der Verflüssigungsanlage der von Dr. Klipping geleiteten AG Kryotechnik am FHI[36] gedeckt werden. Doch eine veränderte Forschungsplanung des FHI stellte die weitere Existenz der AG Kryotechnik in Berlin in Frage. Nach langwierigen Verhandlungen wurde 1975 ein Vertrag zwischen der Freien Universität und der Max-Planck-Gesellschaft unterzeichnet, der die langfristige Regelung und Sicherung der Heliumversorgung für beide Seiten sowie das Weiterbestehen der AG Kryotechnik sicherstellte. G. Klipping wurde im August 1978 zum apl. Professor ernannt, und mit Einzug in den Neubau Physik 1982 wurde unter seiner Leitung eine große Helium-Verflüssigungsanlage installiert, welche die zentrale Versorgung für FU, TU, FHI, HMI und BESSY gewährleistete.

Die AG Kryotechnik sorgte für eine reibungslos funktionierende Berlin-weite Heliumversorgung. Sie wurde bekannt als selbständiger Entwickler von Tieftemperatur-Geräten und mannigfaltigen kryotechnischen Komponenten für externe Auftraggeber, nicht zuletzt für die Weltraumforschung, wobei auch einige Patente entstanden. Die AG Kryotechnik arbeitete auch mit der Arbeitsgruppe von K. Lüders zusammen auf den Gebieten Technische Supraleitung und Eigenschaften von superfluidem Helium in engen Geometrien. Klipping selbst war für seine Arbeiten weltweit bekannt. Seit 1969 bis zu seiner Pensionierung bekleidete er führende Funktionen im International Cryogenic Engineering Committee und leitete den Arbeitskreis Kryotechnik der DPG von 1969 bis 1977. Im Jahr 1989 übergab er die Leitung der AG Kryotechnik an seinen Nachfolger U. Ruppert, der die Arbeiten seitdem mit gleicher Expertise fortführt.

VII Die Zusammenführung des Fachbereichs im Neubau Physik1982

Die anfängliche Verteilung der Institute auf räumlich weit entfernte Standorte erschwerte die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Fachbereich. Dies änderte sich grundlegend erst 1982 mit dem Einzug aller wissenschaftlichen Gruppen (mit Ausnahme der Kernphysik) in den Neubau in der Arnimallee 14. Von da an fanden alle Lehrveranstaltungen im gleichen Haus statt, die Infrastruktur war gebündelt, und es gab eine zentrale Werkstatt des Fachbereichs. Desgleichen bahnte sich eine engere wissenschaftliche Zusammenarbeit an, was u.a. zu gemeinsamen Kolloquien führte und die Bildung von Sonderforschungsbereichen förderte.

Anfang 1998, nach Auflösung des Zentralinstituts für Fachdidaktik, zog die von H. Fischler geleitete AG Didaktik der Physik ebenfalls in das Physikgebäude ein, was der Ausbildung von Lehramtkandidaten zugute kam.

VIII Die wissenschaftlichen Leistungen  des Fachbereichs Physik ab 1970

Der starke Anstieg der Zahl der Professuren in den Jahren 1968–1972 ist im Anhang 1 illustriert. Zusammen mit den Wiss. Mitarbeitern und Ass.Profs. verfügte der Fachbereich damit über ein großzügiges Stellenpotential, das die Chance bot, die physikalische Forschung an der FU auf ein Niveau zu bringen, das internationalen Vergleichen standhält. Im Folgenden wird die wissenschaftliche Entwicklung des FB Physik ab 1970 bis zur Gegenwart anhand folgender Kriterien beschrieben: Drittmittel, Promotionen, Habilitationen, Ehrungen und Ehrenämter, Internationale Gäste, Fachtagungen und Buchveröffentlichungen.

1. Drittmittel

Die verfügbaren Sach- und Personalmittel spielen eine entscheidende Rolle für Umfang und Qualität von Forschung und Lehre. In der experimentellen Physik war ab Mitte der 60er Jahre durch die rasante Entwicklung der optischen, elektronischen und messtechnischen Geräte sowie der UHV-Technik eine enorme Verteuerung eingetreten. Die begrenzte Grundausstattung der FU konnte dies nicht auffangen. Die Einwerbung von Drittmitteln war somit zwingende Voraussetzung für den Aufbau moderner Labors. Dafür gab es mehrere Quellen. Mit Abstand die wichtigsten waren die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das zuständige Bundesministerium. Neben der Schwerpunktförderung spielte die Normalförderung der DFG eine wichtige Rolle. Eine genaue Aufstellung der zahlreichen DFG-Anträge während der vergangenen 55 Jahre ist wegen des Umfangs nicht möglich. Das gilt auch für anwendungsorientierte Projekte, die von Industriefirmen unterstützt wurden. Hier sollen nur die gewichtigen Förderinstrumente beschrieben werden, das sind die Sfbs der DFG und die Verbundforschung des BMBW.

Sonderforschungsbereiche

Der Stolz des FB Physik sind die sechs Sonderforschungsbereiche, die seit 1972 am Fachbereich eingerichtet wurden. Diese Sfbs zeichneten sich durch ein hohes wissenschaftliches Niveau aus, was die laufenden Begutachtungen durch die DFG immer wieder bestätigten. Die Sonderforschungsbereiche stimulierten die wissenschaftliche Zusammenarbeit innerhalb des Fachbereichs, speziell auch zwischen Theorie und Experiment, und darüber hinaus mit externen Gruppen. Ein Sfb wurde 14 Jahre gefördert, drei erreichten die übliche maximale Laufzeit von zwölf Jahren, die übrigen zwei befinden sich gegenwärtig noch in der ersten Hälfte der Förderung.

Die DFG hatte in der zweiten Hälfte der 60er Jahre neben der sogenannten Normalförderung mit den Sonderforschungsbereichen ein Förderinstrument geschaffen, das die Schwerpunktbildung in der Hochschulforschung zum Ziel hatte. Es war das Verdienst von Prof. Hüfner, dass er als Erster den Wert eines Sfbs für den Fachbereich und die fachlichen Voraussetzungen dafür im damaligen FU-Umfeld erkannte. Die Forschungsaktivitäten der Physikalischen Institute I bis IV sowie der nuklearen Festkörperphysik am HMI befassten sich seinerzeit alle mit Kern-Elektron-Wechselwirkungen in unterschiedlicher Form. Hüfner initiierte daher schon im Frühjahr 1969 einen Antrag auf Einrichtung eines Sfb auf diesem Grenzgebiet zwischen Kern- und Festkörperphysik. Trotz positiver Begutachtung durch die DFG tat sich der Wissenschaftsrat mit einem solchen "interdisziplinären" Vorhaben schwer. Erst Anfang 1972 wurde der Sfb Hyperfeinwechselwirkungen anerkannt und als Nr. 161 in die Förderung aufgenommen, damals noch mit dem "dringenden" Hinweis, festkörperphysikalische Projekte so einzuschränken, dass Überschneidungen mit anderen bestehenden Sfbs vermieden würden.

Der Sfb 161 war einer der ersten an der FU und wurde von 1973 bis 1986 gefördert. Zwischen 1978 und 1986 bewegten sich die Ergänzungsmittel für Personal- und Sachausgaben um jährlich 3 Mio DM für 16 Teilprojekte. Das beeindruckte die Präsidialverwaltung, und es war vor allem Kanzler Bormann, der die strukturbildende Funktion der Sfbs schätzte und dafür sorgte, dass diese von der FU durch sogenannte "Sondertatbestandsmittel" unterstützt wurden. Das Arbeitsgebiet des Sfb 161 war die Untersuchung von Hyperfeinwechselwirkungen in angeregten Kernzuständen, Molekülen und freien Atomen, sowie die elektronische Struktur von kondensierter Materie. Auf die einzelnen Teilprojekte kann hier nicht eingegangen werden, sie sind dokumentiert in den dreijährigen Anträgen und zweijährigen Arbeits- und Ergebnisberichten. Sprecher des Sfb 161 waren Wilking (72–73), Hüfner (73–74), Matthias (74–75) und Gabriel (75–86).

Mit dem Sfb 161 wurde unter Leitung von P. Abt eine sog. Sfb-Verwaltung eingerichtet, um die Wissenschaftler von haushaltstechnischen Arbeiten zu befreien. Dies bewährte sich hervorragend und war richtungsweisend für alle folgenden Sfbs. Parallel existierende Sfbs erforderten dann die Einrichtung einer zweiten von R. Bucklisch geleiteten Verwaltung.

Der Erfolg des ersten Sfbs war Ansporn, dieses Förderinstrument der DFG weiter zu nutzen. Entscheidende technische Fortschritte, wie z.B. die Entwicklung von Kurzpulslasern oder UHV-Anlagen zur Präparation sauberer Oberflächen eröffneten dafür neue Perspektiven. So wurde im November 1980 ein Antrag auf Einrichtung eines Sfb "Struktur und Dynamik von Grenzflächen" (Sfb 6) vom Wissenschaftsrat genehmigt, der die Untersuchung der elektronischen Struktur von Grenzflächen und Festkörper/Elektrolyt-Grenzflächen sowie von heterogenen Reaktionen an Grenzflächen zum Ziele hatte. Dieser Sfb war von 1981 bis 1992 in der Förderung und erhielt insgesamt 25.5 Mio DM an Sach- und Personalmitteln. Sprecher war während der gesamten Zeit Prof. Bennemann. Beteiligt waren neben Vertretern des Fachbereichs Gruppen aus dem FB Chemie, dem FHI und der TU Berlin. Zu Einzelheiten wird auf die Arbeits- und Ergebnisberichte verwiesen.

Ein anderer Kreis unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus der Chemie und dem HMI beantragte 1985/86 die Einrichtung eines Sfbs zum Thema "Energie- und Ladungstransfer in Molekularen Aggregaten". Dieser Antrag wurde Ende 1986 bewilligt und war von 1987 bis 1998 als Sfb 337 in der Förderung. Insgesamt beliefen sich die bewilligten Mittel während der 12 Jahre auf 37.9 Mio DM. Sprecher war Prof. Stehlik. Die wissenschaftliche Zielsetzung war die Untersuchung der Dynamik physikalischer und chemischer Folgeprozesse nach Deponierung einer lokalen Anregungsenergie in einem molekularen Aggregat, das sich in unterschiedlichen Umgebungen befinden konnte. Neben magnetischen Resonanzverfahren kam hier erstmals die zeitaufgelöste Spektroskopie mit ultrakurzen Laserpulsen zum Einsatz, mit der die Elektronendynamik nach Photoanregung mit einer Zeitauflösung im Femtosekunden-Bereich verfolgt werden konnte, was die Beobachtung völlig neuer Effekte erlaubte.

Der vierte Sfb wurde von Wissenschaftlern beantragt, die sich mit Magnetismus und ultradünnen Filmen beschäftigten. Beteiligt waren wieder Gruppen aus der Chemie, dem FHI und der HU. So entstand der Sfb "Metallische dünne Filme: Struktur, Magnetismus und elektronische Eigenschaften", der ab 1993 als Sfb 290 in der Förderung war, Ende 2004 auslief und während dieser Zeit mit 26.2 Mio DM gefördert wurde. Sprecher war von Anbeginn Prof. Rieder. Es gab zwei Projektbereiche, einen über Struktur und Magnetismus dünner Filme und einen zweiten über Morphologie und elektronische Eigenschaften dünner Filme. Unter "dünnen" Filmen versteht man hier wenige atomare Lagen bis Submonolagen, aufgebracht auf Metall-, Halbleiter- oder Isolator-Substraten. Dieser Sfb zeichnete sich u.a. aus durch die Entwicklung neuer experimenteller Methoden wie Tieftemperatur-STM[37]>, SNOM[38], Zirkulardichroismus in der Photoemission, FMR[39] im UHV, Biegebalken-Magnetometer und nichtlineare Magnetooptik mit Femtosekunden-Zeitauflösung.

Der fünfte Sfb ist vergleichsweise jung und wurde im Juli 1998 als Sfb 450 Analyse und Steuerung ultraschneller photoinduzierter Reaktionen in die Förderung aufgenommen. Sprecher istProf. Wöste. Hier taten sich Gruppen aus Physik, Chemie, dem Max-Born-Institut, dem HMI sowie der HU zusammen, um die Bewegungsabläufe von Elektronen und Kernen in Molekülen und Clustern nach optischer Kurzpulsanregung zu untersuchen und zu steuern. Es gibt zwei Arbeitsrichtungen. Die eine behandelt Systeme mit wenigen aktiven Freiheitsgraden, welche von kleinen Molekülen bis zu Adsorbaten auf Oberflächen reichen. Die andere widmet sich komplexen Systemen, angefangen von Schwingungsmoden in Wasser über große Moleküle bis zu Chromoproteinen. Bei der Analyse wird die Veränderung der Kernkoordinaten, verursacht durch optische Anregung, mit einem Probe-Puls abgefragt, während bei der Steuerung versucht wird, mit komplexeren gepulsten Laserfeldern die Anregung in bestimmte Endzustände zu lenken.

Der Sfb 498 Protein-Kofaktor-Wechselwirkungen in biologischen Prozessen wurde ursprünglich Anfang 2000 an der TU Berlin eingerichtet mit Beteiligung von acht Teilprojekten aus der FU, davon vier aus der Physik. Nachdem der erste Sprecher, Prof. Lubitz, Berlin verlassen hatte, wurde der Sfb mit Beginn der zweiten Förderperiode Anfang 2003 an den FB Physik der FU verlagert, mit Prof. Stehlik als Sprecher. Das Thema betrifft die Funktion meist membrangebundener Enzyme, in denen, vermittelt über die Protein-Kofaktor-Wechselwirkung, spezielle organische Moleküle oder Metallzentren, sog. Kofaktoren, entscheidende Struktur- und Funktionsträger sind. Es gibt drei Projektbereiche. Im ersten werden an photosynthetischen Reaktionszentren Prozesse des lichtinduzierten Elektronen- und Anregungsenergie-Transfers untersucht. Der zweite Bereich befasst sich mit lichtinduzierten Konformationsänderungen und Signalübertragung in photoaktiven Proteinen wie z.B. Rhodopsin und Phytochrom. Im dritten Bereich wird die Funktion der Metallzentren in sog. Metallproteinen studiert, wobei Prozesse wie Wasserstoff (H2)- und Wasserspaltung im Vordergrund stehen.

Ferner beteiligten sich FB-Mitglieder an Sfbs, die an anderen Fachbereichen bzw. Universitäten angesiedelt waren, mit folgenden Teilprojekten:

Sfb 312  Gerichtete Membranprozesse   1985–1999  (FB Chemie der FU)

Stehlik: Transiente ESR-Spektroskopie an Reaktionszentren der Photosynthese

Heyn: Kinetik und Mechanismen des Protonentransports durch Bacteriorhodopsin
und entlang der Purpurmembran

Helfrich: Strukturen von biologischen Modellmembranen

 

Sfb 335  Anisotrope Fluide 1987–1998 (TU Berlin)

Helfrich:  Wechselwirkung diskotischer Flüssigkristalle mit elektrischen Feldern

 

Sfb 288  Differentialgeometrie und Quantenphysik 1992–2003  (TU Berlin)

Karowski/Schrader: Gitterfeldtheorie, integrable Systeme und Quantensymmetrien

Schrader/Schroer: Zopfgruppenstatistik und Symmetrien in der Quantenfeldtheorie

 

Verbundforschung

Unter Verbundforschung versteht man die bundesweite Förderung spezieller Forschungsgebiete durch den zuständigen Bundesminister. Für den FB Physik spielte die Verbundforschung mit Synchrotronstrahlung eine besondere Rolle. Zuerst mit BESSY und heute mit BESSY II standen und stehen in Berlin hervorragende Synchrotron-Strahlungsquellen zur Verfügung, von denen zahlreiche Projekte des Fachbereichs profitierten. Zur Vorgeschichte: In den 70er Jahren konnte in Deutschland Forschung mit Synchrotronstrahlung nur parasitär zur Hochenergiephysik am DESY in Hamburg betrieben werden, wo aufgrund der hohen Elektronenenergie des DESY-Synchrotrons und später des DORIS-Speicherrings die Nutzung harter Röntgenstrahlung im Vordergrund stand. Die ersten Untersuchungen mit Synchrotronstrahlung erwiesen sich als so vielversprechend, dass die Nachfrage nach einer eigenständige Strahlungsquelle wuchs. Daher unternahmen Mitte der 70er Jahre mehrere Berliner Institutionen, darunter auch der FB Physik, einen Vorstoß zum Bau einer solchen Anlage in Berlin. Im November 1977 wurde der Bau des "Berliner Elektronenspeicherringes für Synchrotronstrahlung" (BESSY) beschlossen. Die Kosten wurden zu 90% vom Bund und zu 10% vom Land Berlin getragen. Ab Juli 1982 stand die Anlage für Grundlagenforschung, Metrologie und industrielle Anwendungen zur Verfügung und erwies sich bald als die damals weltweit beste Synchrotronstrahlungsquelle. Die an BESSY durchgeführten Untersuchungen waren wissenschaftlich sehr erfolgreich. Die Nachfrage nach höheren Energien und höherer Brillianz führte allerdings dazu, dass schon Mitte der 80er Jahre, wieder unter Beteiligung des Fachbereichs, eine Initiative zum Bau einer noch leistungsfähigeren Strahlungsquelle gestartet wurde. Dieses Projekt wurde nach dem Mauerfall in Berlin-Adlershof verwirklicht, wo seit 1999 BESSY II nationalen und internationalen Nutzern zur Verfügung steht. Kurz nach Inbetriebnahme von BESSY II wurde die Dahlemer BESSY-Anlage geschlossen.

Für den FB Physik waren beide Strahlungsquellen sehr vorteilhaft, nicht zuletzt weil Experimente am Ort ohne aufwändige Reisen durchgeführt werden konnten. Gefördert wurden die Arbeiten an BESSY durch Verbundforschungsmittel und seitens der FU durch sogenannte "Sondertatbestandsmittel". Fünf Arbeitsgruppen des Fachbereichs nutzten die Synchrotronstrahlung für folgenden Projekte: Elektronische Struktur von Festkörpern, synthetischen Metallen und Grenzflächen mittels Photoemission (Kaindl); Strukturuntersuchungen an Grenzflächen und Adsorbaten mittels XANES und EXAFS (Baberschke, Kaindl); elektronische und chemische Struktur von Verbindungen der Übergangselemente und der Transurane mittels XANES und Photoemission (Kaindl); Magnetismus von Grenzflächen und dünnen Filmen unter Verwendung zirkular polarisierter Synchrotronstrahlung in Absorption (Baberschke, Kaindl) oder mit spinauflösenden Photoemissiontechniken (Kaindl, Kirschner); Photoionisation von Atomen und kleinen Molekülen in der Gasphase (Kaindl); Photoreaktionen in Festkörpern und Mikrostrukturierung durch photochemisches Ätzen (Schwentner); Strukturuntersuchungen photoinduzierter Zwischenzustände in Biomolekülen mittels Röntgendiffraktion und EXAFS (Heyn, Dau).

Der FB Physik übernahm auch die Verantwortung für den Betrieb einiger Strahlrohre. Seit 1988 gab es ein FU-eigenes Strahlrohr, das von der Kaindl-Gruppe aufgebaut wurde und den seinerzeit besten Monochromator für XUV-Strahlung vorweisen konnte. Dieses Gerät wird derzeit mit verbesserter Röntgenoptik an BESSY II aufgebaut. Dort betreibt der Fachbereich auch ein modernes Undulatorstrahlrohr für den XUV-Bereich, das von den drei Berliner Universitäten gemeinsam genutzt und finanziert wird. Kaindl initiierte auch das "Russisch-Deutsche Strahlrohr", das der engen Kooperation mit der Universität St.Petersburg dient.

2. Promotionen und Habilitationen

Die Anzahl der Promotionen pro Jahr im Fachbereich, dargestellt in Anhang 1, liegt im bundesweiten Vergleich im oberen Drittel. Das belegen die von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft jährlich veröffentlichten Statistiken [40]. Auffällig ist der starke Anstieg der Promotionen ab Mitte der 80er Jahre, einem Zeitraum, in dem die Grundfinanzierung spürbar abnahm, meist weil die Wiederbesetzung freier Stellen für Wiss. Mitarbeiter, wenn überhaupt, erst nach längeren Sperrzeiten erfolgte. Zu verdanken ist der Zuwachs der kontinuierlichen Forschungsförderung durch Drittmittel. Durch Sfbs und sonstige Drittmittel verfügte der Fachbereich über zusätzliche Stellen für Wiss. Mitarbeiter (überwiegend Doktoranden), deren Zahl etwa doppelt so hoch war wie die von der FU finanzierten Stellen. Das unterstreicht die Bedeutung der Drittmittel für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Die Zahl der Habilitationen im Verlauf der Jahre ist ebenfalls im Diagramm Anhang 1 illustriert und zeigt zwei auffällige Merkmale. Erstens die ungewöhnlich große Anzahl 1970, dem Jahr, in welchem das Universitätsgesetz in Kraft trat. Zweitens die Häufung 1976, in der sich der erfolgreiche Habilitationsabschluss der ersten Ass.Prof.-Generation widerspiegelt. Im übrigen zeigt sich an der Konstanz der Habilitationsanzahl während der letzten 10 Jahre, dass potentielle Nachwuchswissenschaftler in der Physik ihre Hochschulkarriere noch immer über die Habilitation anstreben.

3. Ehrenpromotionen, Ehrungen und Ehrenämter

Der FB Physikverlieh die Ehrendoktorwürde an die folgenden auswärtigen Professoren, die sich um die Wissenschaft und um den Fachbereich verdient gemacht hatten: 1987 an D.A. Shirley, UC Berkeley und Lawrence Berkeley Laboratory; 1988 an P. Brix, MPI für Kernforschung Heidelberg; 2000 an S. Hüfner, Universität des Saarlandes; 2003 an W. Kohn, UC Santa Barbara; und an Catherine Bréchignac, Laboratoire Aimé Cotton, CNRS Orsay.

Otto-Klung-Preis des Fachbereichs: Der Stifter Otto Klung hatte 1972 den Fachbereichen Physik und Chemie der FU aufgetragen, im jährlichen Wechsel einen Preis aus den Erträgen des Stiftungsvermögens zu vergeben. Laut Vermächtnis sollte der FB alle zwei Jahre "besten deutschen Physiker" auszeichnen, der noch nicht berufen und jünger als 40 sein sollte. Anfangs lag die Preishöhe bei ca. 5.000 DM. Damit wurden vom Fachbereich hervorragende Promotionen geehrt. Als sich im Jahre 1978 die Besteuerung von Stiftungen änderte, erhöhte sich der Preisbetrag auf ca. 35.000 DM, für den Fachbereich ein Anlass, diesen Preis – Vermächtnis des Stifters entsprechend – nationaler Ebene zu vergeben. Seit 1979 beinhaltet die Liste der Preisträger 12 international hoch angesehene Physiker, von denen drei (Binnig, Bednorz, Störmer) später sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Im Jahre 2001 wurde durch Kooperation der Otto-Klung-Stiftung mit der Fördergesellschaft der Weberbank der Preis in Otto-Klung-Weberbank-Preis umbenannt und das Preisgeld auf 25.000 EURO erhöht.

Preise für und Ehrungen von Mitgliedern des Fachbereichs: Im Anhang 2 sind alle Auszeichnungen aufgeführt, die ab 1970 an Mitglieder des Fachbereichs verliehen wurden. Aus Platzgründen kann leider nur eine subjektiv gewählte Aufstellung gegeben werden, deren Auswahl sich an dem Renommee des Preises orientiert. Berliner Ehrungen (Karl-Scheel-Preis, Ernst-Reuter-Preis, Joachim-Tiburtius-Preis) werden nicht aufgeführt.

4. Internationale Gäste, Fachtagungen

Internationale Gäste: Durch die Sfbs und Verbundforschungsprojekte standen Mittel für Einladungen von Vortrags- und längerfristigen Gästen für spezifische Forschungsaufgaben zur Verfügung. Auf Vortragseinladungen wird hier nicht eingegangen. Längerfristige Gäste dagegen kamen, um zusammen mit hiesigen Mitarbeitern an speziellen Projekten zu arbeiten. Dieses Programm war von großem Wert sowohl für die Drittmittelprojekte als auch für die Gäste, da ihnen hier meist Geräte zur Verfügung standen, die sie daheim nicht hatten. Als Beispiel sei erwähnt, dass allein im Sfb 6 zwischen 1989 und 1992  62 längerfristige Gäste forschten. Ähnlich sah es bei den anderen Sfbs aus. Es würde den Rahmen sprengen, hier Hunderte von längerfristigen Gästen aufzuzählen, die über die Jahre am Fachbereich weilten. Stattdessen wird auf die Arbeits- und Ergebnisberichte der Sfbs und Verbundforschungsprojekte verwiesen. Erwähnt werden soll jedoch, dass zusätzlich 12 Humboldt-Preisträger in den letzten 25 Jahren Gäste des Fachbereichs waren. Darüber hinaus finanzierte die DFG der AG Kleinert 2004 eine Mercator-Professur für S.Yukalov aus Moskau.

Fachtagungen: Wissenschaftliche Aktivitäten von Professoren des Fachbereichs im Zusammenhang mit internationalen Veranstaltungen sind ebenfalls so zahlreich, dass sie hier nicht im Einzelnen aufgezählt werden können. Im Anhang 3 werden daher nur Konferenzen aufgeführt, die in Berlin von einem Mitglied des Fachbereichs in der Funktion "Chair" oder "Co-chair" organisiert wurden.

5. Buchveröffentlichungen

In der Physik ist es üblich, neue Resultate in internationalen Fachjournalen zu veröffentlichen. Die typische Seitenzahl einer solchen Publikation liegt zwischen 4 und 20. Davon wurden im Fachbereich über die Jahre Tausende produziert, so dass diese hier nicht aufgeführt werden können. Sie sind dokumentiert in den Universitätsbibliographien der FU und in den zahlreichen Arbeits- und Ergebnisberichten der Sfbs und anderer Drittmittelprojekte. Im Anhang 4 werden dagegen Monographien und Conference Proceedings aufgelistet, die im Fachbereich entstanden sind.

IX Generationenwechsel unter erschwerten Bedingungen

Aufgrund der raschen Erweiterung des Lehrkörpers mit Wissenschaftlern vergleichbaren Alters Anfang der 70er Jahre war  klar, dass sich die Rekrutierung der Nachfolger auf eine Spanne von wenigen Jahren konzentrieren würde. Freilich konnte niemand vorhersehen, dass sich die Randbedingungen für die Wiederbesetzung der Vakanzen durch politische Vorgaben so dramatisch verschlechtern würde. Dazu einige Erläuterungen.

Der Akademischen Senat setzte im Februar 1987 eine Strukturkommission ein, welche die Gliederung der FU in Fachbereiche, deren Binnengliederung, die Zuordnung der Hochschullehrerstellen zu Fächern und deren Personalausstattung zu überprüfen und bewerten sollte. Das Ziel war, Strukturverzerrungen auszugleichen, die sich Anfang der 70er Jahre vor allem als Folge gesetzlicher Regelungen ergeben hatten. Für die Physik enthielten die im April 1988 von der Strukturkommission vorgelegten Empfehlungen zur Struktur der Freien Universität Berlin in den neunziger Jahren den vom Fachbereich weitgehend begrüßten Vorschlag der (bereits erwähnten) Gliederung in zwei Institute mit einer Ausstattung von 17 C4- und 19 C3-Professuren (darunter 2 S-Professuren). Darin sah der FB Physik eine gute Grundlage, seine bis dahin erfolgreiche Arbeit fortzuführen. Die Wirklichkeit sah ein knappes Jahrzehnt später deutlich düsterer aus.Die einschneidenden Haushaltskürzungen seit Beginn der 90er Jahre erreichten 1997 für die Berliner Universitätshaushalte ein Ausmaß, das drastische Eingriffe in die Ausstattung der Fachbereiche unvermeidlich machte.

Die Hoffnung der Politik, auf der Basis der Empfehlung einer eigens eingesetzten externen Gutachterkommission zu einem Abbau ganzer naturwissenschaftlicher Fachbereiche in Berlin zu kommen, erfüllte sich nicht. Das abschließende Gutachten kam in fast allen Fällen zu einem positiven Votum über die Leistungsfähigkeit der naturwissenschaftlichen Fächer, aus dem sich eine gezielte Eliminierung einzelner Fachbereiche nicht ableiten ließ. Diese Beurteilung befreite die Naturwissenschaften leider nicht von den Auswirkungen der Haushaltsvorgaben durch die Landespolitik, aber sie wurden Teil eines Plans für die zukünftige Struktur der FU unter dramatisch veränderten Rahmenbedingungen, mit deren Erarbeitung der Akademische Senat der FU die EPK[41] beauftragte.

Der von der EPK im März 1998 vorgelegte Strukturplan 2003 sah für den FB Physik 21 Professuren (ohne S-Professuren) und eine Professur für Didaktik vor. Diese Reduktion zwang den Fachbereich, die Zahl der bislang vertretenen Arbeitsgebiete zu verringern, wobei die Altersstruktur des Lehrkörpers und die durch die Universitätsleitung vorgegebene Wiederbesetzungsrate zu berücksichtigen waren. Der FB setzte sich dabei das Ziel, die Leistungsfähigkeit der drastisch verkleinerten Besetzung durch Konzentration auf ausgewählte, mit den anderen Berliner Universitäten abgestimmte Forschungsschwerpunkte weitgehend zu erhalten. Der vom Fachbereich erarbeitete fachbezogene Teil des Strukturplans 2003 sah 21 Professuren mit einer 2:1 Aufteilung auf Experimentalphysik und Theoretische Physik vor, denen Forschungsgebiete mit hohem Entwicklungspotential zugeordnet wurden.

Die Arbeitsgebiete der von 1995 bis Anfang 1998 ausgeschiedenen Professoren Helfrich, Hoeft, Klein, Quitmann, Stenschke und Törring wurden nicht Bestandteil der zukünftigen Forschungsschwerpunkte. Diese Stellen fielen der Streichung ebenso zum Opfer wie die bis 2004 frei werdenden Professuren Forstmann, Kramer, Linke, Lüders und Meng.

Der Strukturplan 2003 war für die Wiederbesetzung entstandener Vakanzen entscheidend und wurde bei den Anträgen auf Stellenfreigabe und Ausschreibung dieser Vakanzen zur zwingenden Voraussetzung. Die jüngsten erfolgreichen Berufungen der Professoren Bittl (Nf. Möbius), Dau (Nf. Büldt), Groß (Nf. Gabriel), v. Oppen (Nf. Bennemann), Wolf (Nf. Matthias) und Kuch (Nf. Baberschke) stützten sich in der Begründung auf diesen Strukturplan 2003. Der Werdegang der Neuberufenen und ihre wissenschaftlichen Zielsetzungen werden nachstehend kurz beschrieben (alphabetische Reihenfolge).

R. Bittl promovierte 1988 an der TU München, war nach einem kurzzeitigen Postdoc-Aufenthalt bei Prof. Schulten an der University of Illinois, Urbana, von 1989–1991 Wiss. Mitarbeiter an der Universität Stuttgart; danach bis 1995 Wiss. Assistent und ab 1995 Hochschulassistent bei Prof. Lubitz an der TU Berlin. Dort habilitierte er sich 1997 mit dem Thema "Zeitaufgelöste EPR-Spektroskopie als Strukturbestimmungsmethode für Protein-Kofaktorkomplexe". Im Oktober 2001 wurde er als Nachfolger von K. Möbius berufen. Seine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit Untersuchungen von Proteinkomplexen vorwiegend mit Hilfe der ESR. Um die Fluoreszenz einzelner Moleküle verfolgen zu können, wird zusätzlich ein konfokales Mikroskop eingesetzt, das es erlaubt, bestimmte Punkte gleichzeitig zu beleuchten und zu beobachten. Zwei Typen von Substanzen, die in verschiedener Weise auf Licht reagieren, werden vorrangig untersucht. 1)Photosysteme: Proteinkomplexe, die über den Prozess der Photosynthese Lichtenergie in chemische Energie umwandeln. 2) Phototropin: Ein Blaulicht-Rezeptor, der das lichtabhängige Wachstum von Pflanzen steuert.

H. Dau hat an der Universität Kiel 1989 promoviert, war von August 1990 bis Dezember 1992 in der Structural Biology Division des LBL Berkeley und ab Januar 1993 am FB Biologie der Universität Marburg tätig. Dort habilitierte er sich 1994 mit einer Schrift zum Thema "Biophysikalische Untersuchungen zur Struktur, Funktion und Adaptation des Photosystem II- Komplexes höherer Pflanzen". Er gehört dem Fachbereich seit Anfang 2000 als Nachfolger von G. Büldt an. Sein Arbeitsgebiet gehört zur Molekularen Biophysik. Biologische Prozesse werden auf molekularer bzw. atomarer Ebene untersucht, wobei neue physikalische Messverfahren eingesetzt werden, um zusammen mit erweiterten Konzepten zu einem besseren Verständnis der Struktur, Dynamik und Funktion von Biomolekülen zu kommen. Schwerpunkte der Untersuchungen sind: 1) Nutzung von Sonnenenergie durch Pflanzen und Algen. In der Kette der dabei ablaufenden Prozesse interessiert insbesondere der Schritt, bei dem Sauerstoff aus Wasser freigesetzt wird. 2) Biologische Katalyse durch Komplexe aus Metallionen in Proteinen. 3) Biotestverfahren, bei denen die Wirkung von Schadstoffen auf Algen gemessen wird.

E.K.U. Gross hat sich 1986 an der Universität Frankfurt/M mit einer Schrift zum "Dichtefunktionaltheorie zeitabhängiger Systeme" habilitiert, arbeitete 1985–1986 als NATO- Stipendiat und 1986–1990 als Heisenberg-Stipendiat bei Prof. Kohn in Santa Barbara/CA, der für die Entwicklung der Dichtefunktionaltheorie 1998 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Gross war ab November 1990 C3-Professor an der Universität Würzburg, bevor er im Oktober 2001 auf die C4-Professur für Theoretische Physik (Nf. Gabriel) berufen wurde. Sein Arbeitsgebiet ist die quantenmechanische Vielteilchentheorie mit Schwerpunkt Dichtefunktionaltheorie und ihre Anwendungen in der Atom-, Molekül- und Festkörperphysik. Die von ihm entwickelte zeitabhängige Version dieser Theorie gestattet es, nichtlineare Effekte in Systemen zu untersuchen, die unter Einwirkung intensiver ultrakurzer Laserpulse stehen. Dazu gehören u.a. die Ionisations- und Dissoziationsdynamik kleiner Moleküle, die mit der Zielsetzung untersucht werden, eine optimale Kontrolle der Ultrakurzzeitdynamik durch geeignet geformte Laserpulse zu erreichen. Eine neu entwickelte Variante der Dichtefunktionaltheorie gestattet ab-inito Untersuchungen materialspezifischer Eigenschaften konventioneller Supraleiter und dient dem Versuch, den Paarungsmechanismus in Supraleitern mit hoher Sprungtemperatur zu verstehen.

W. Kuch wurde im November 2004 Nachfolger von K. Baberschke. Er hatte 1993 in Stuttgart bei Prof. Umbach mit einer Arbeit über Adsorption von Wasser auf Nickel(111)-Oberflächen promoviert und war danach bis zu seiner Berufung an die FU Wiss. Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle. Dort untersuchte er magnetische Mikrostrukturen mit der elementspezifischen Methode der Photoemissions-Mikroskopie und habilitierte sich 2002 mit dem "Abbildende magnetische Mikrospektroskopie" an der Math.-Nat.-Technischen Fakultät der Martin-Luther-Universität. Im Jahre 1996 verbrachte er einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt am IBM Almaden Research Center in San Jose/CA. Im Fachbereich wird er magnetische Mikrostrukturen untersuchen und zeitaufgelöste Studien der Magnetisierungsdynamik durchführen, z. T. mit Synchrotronstrahlung an BESSY II. Dabei wird die Grundlagenforschung im Vordergrund stehen, doch auch Anwendungsaspekte werden von Interesse sein. Die Auswahl der zu untersuchenden Materialien und Strukturen konzentriert sich auf die Kombination ferro- und antiferromagnetischer Materialien, die Verwendung oxidischer dünner Filme sowie die Untersuchung magnetischer Moleküle.

F. von Oppen, der im Oktober 2000 als Nachfolger von K.-H. Bennemann an die FU berufen wurde, studierte an der University of Washington, Seattle, und wurde dort 1993 mit einer Arbeit über Dauerströme in mesoskopischen Systemen promoviert. Von 1993 bis 1995 war er Postdoc bei Prof. Weidenmüller am MPI für Kernphysik in Heidelberg, an das er nach einem zweijährigem Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science, Rehovot/Israel, 1997 zurückkehrte. Er habilitierte sich 1998 an der Universität Heidelberg mit dem Thema "Chaos and Interactions in Mesoscopic Systems". Gegenwärtige Forschungsthemen sind: 1) Das Studium des fraktionalen Quanten-Hall-Effekts in Systemen, in denen die Coulomb-Wechselwirkung zu qualitativ neuen Erscheinungen führt, z. B. zu Anregungen, deren Statistik nicht in das gewöhnliche Schema von Fermionen und Bosonen passt und zu deren Deutung die sog. nicht-abelsche Statistik eingesetzt wird. 2) Ferromagnetische Halbleiter,das sind neue Materialien, die halbleitende und ferromagnetische Eigenschaften in sich vereinen. Gesucht wird nach einem mikroskopischen Verständnis dieses Verhaltens, wobei die Frage nach der Rolle der Unordnung von besonderem Interesse ist. 3) Quantenchaos, hierbei geht es um Quantensysteme, deren klassische Versionen chaotisches Verhalten zeigen. Es hat sich herausgestellt, dass solche Quantensysteme eine Reihe universeller Symmetrieklassen bilden.

M. Wolf wurde Anfang Oktober 2000 auf die C4-Stelle Nf. Matthias berufen. Er hatte 1991 am Fachbereich mit einer Arbeit über "Dynamik photoinduzierter Oberflächen-Reaktionen" promoviert, die unter Leitung von Prof. Ertl am FHI angefertigt worden war. Anschließend war er ein Jahr Postdoc an der University of Texas in Austin/TX und ab Mai 1992 Wiss. Mitarbeiter in der Abteilung Physikalische Chemie des FHI. 1998 habilitierte er sich am FB Physik mit dem Thema "Ultrakurzzeitdynamik elektronischer Anregungen an Festkörperoberflächen". Mit solchen Erfahrungen war Wolf für diese C4-Stelle hervorragend geeignet, da die AG Matthias vordem ebenfalls die Elektronendynamik in Metallen und ferromagnetischen Schichten mit zeitaufgelösten nichtlinearen optischen Methoden studiert hatte. Sein Forschungsprogramm umfasst vier Bereiche: 1) Untersuchung der Wechselwirkung von angeregten Elektronen mit Molekülen auf metallischen Oberflächen mittels zeitaufgelöster Zweiphotonen-Photoemission. 2) Messung der ultraschnellen Magnetisierungsdynamik nach gepulster optischer Anregung von ferromagnetischen Systemen mit Hilfe der zeitaufgelösten Frequenzverdopplung. 3) Steuerung chemischer Reaktionen an Oberflächen, insbesondere die Synthese von Molekülen, durch gezielt geformte ultrakurze Laserpulse. 4) Zeitaufgelöste Schwingungsspektroskopie zur Analyse der Reaktionsprodukte und der Umverteilung von Schwingungsenergie bei ultraschnellen Photoreaktionen von Molekülen auf Oberflächen.

X Ausblick

Die Überlegungen, die zum Strukturplan 2003 geführt hatten, wurden inzwischen obsolet, denn der Fachbereich Physik muss sich auf weitere Kürzungen einstellen. Gegenwärtig schreibt ein neuer Struktur- und Entwicklungsplan 2004–2009 die weitere Reduzierung der Professorenstellen von 21 auf 16 vor. Die Konsequenzen, die sich daraus für zukünftige Forschungsschwerpunkte ergeben, sind einschneidend. Sie hängen u.a. davon ab, wie viel Theorie-Professuren (5 oder 6) erhalten bleiben. Bei einer Ausstattung mit 5 Professuren wird es nicht mehr möglich sein, das renommierte Forschungsgebiet Mathematische Physik fortzuführen, da sonst die flankierende Betreuung der experimentellen Schwerpunkte nicht gewährleistet wäre. Dieser neue Strukturplan enthält nur noch Teile des Strukturplans 2003 und konzentriert sich auf die drei Forschungsbereiche

  1. Grenzflächenbestimmte Materialien: Festkörperoberflächen / Cluster / dünne Schichten / molekulare Prozesse an Grenzflächen
  2. Molekulare Biophysik: Biologische Photoprozesse / Funktion von Protein-Kofaktoren
  3. Ultrakurzzeit-Spektroskopie: Analyse und Steuerung ultraschneller Photoprozesse / nichtlineare Licht-Materie-Wechselwirkung, welche die Arbeitsgebiete enthalten, die derzeit im Fachbereich vertreten sind.

Wie sich das wissenschaftliche Profil des geschrumpften Fachbereichs in Zukunft entwickeln wird, ist offen und abhängig von einer langfristig stabilen und verläßlichen Planung sowie späteren Berufungen. Besonders wichtig ist dabei die Personalausstattung, ein Faktor, der für die Einwerbung von Drittmitteln entscheidend ist, da Forschungsförderung immer eine ausreichende Grundausstattung voraussetzt. Es ist dem Fachbereich zu wünschen, dass es bei der verminderten Anzahl antragsfähiger Wissenschaftler noch gelingen möge, wie bisher effiziente Schwerpunkte in der Forschung zu bilden und bei der Schaffung kooperativer Forschung eine Vorreiterrolle zu spielen.

Anhang 1   Statistik

Anhang 2

Bennemann, K.-H.

1967

1969–1970

1990

1995

1997

1997

1997

Member of the Royal Society of Cambridge

Sloan Fellow

Invited Annual Lecturer EPFL Lausanne

Japanese Science Award

Honorary Member of the Mexican Physical Society

Intern. Conf. at Cocoyoc/Mexico in honour of K.H. Bennemann

Symposium on Clusters, Magnetism, High-Tc-Superconductivity

and Nonlinear Optics, dedicated to K.H. Bennemann, Berlin

 

Eichler, J.

1979

1992

 

1996

Senior Fellow of the JSPS§, Hiroshima University, Japan

Senior Intern. Fellow, Japan Atomic Energy Research Institute,

Tokaimura, Japan

Senior Fellow for Priority-Area Research in Japan, JSPS, University of Tsukuba

 

Ernst, W.E.

1987

Physik-Preis der DPG

 

Gabriel, H.

1988–93

Mitglied des Wissenschaftsrats

 

Helfrich, W.

1976

1993

1993

1996

Hewlett-Packard Europhysics Prize

Louis Vuitton – Moet Hennessy Science for Art Innovation Prize

Ostwald-Preis der Kolloidgesellschaft

Robert-Wichard-Pohl-Preis der DPG

 

Hertel, I.

1983–84

1997

 

2004

JILA[42] Visiting Fellow, Univ. of Colorado, Boulder, CO

o. Mitglied der Berlin-Brandenburgischen

Akademie der Wissenschaften

Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der

Bundesrepublik Deutschland

 

Kaindl, G.

1979–80

 

1997

IBM Worldtrade-Fellow, T.J. Watson Research Center,

Yorktown Heights, NY

Ehrendoktor der Universität St. Petersburg, Rußland

 

Kleinert, H.

2000

Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften

für Kreatives Forschen

 

Matthias, E.

1997

1982–83

 

Ehrendoktor der Universität Göteborg, Schweden

JILA43 Visiting Fellow, Univ. of Colorado, Boulder, CO

Lux-Steiner, Martha Ch.

 

1999

Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der

Bundesrepublik Deutschland

Möbius, K.

1990/91

 

1992

1994

1996

1996

1998

2001

2002

2003

Fellow of the Institute for Advanced Studies at the

Hebrew University of Jerusalem, Israel

Max-Planck-Forschungspreis

International Zavoisky Award

Philip-Morris Forschungspreis

Silver Medal Award of the International EPR Society

Ampere Prize der International EPR Society

Gold Medal Award of the International EPR Society

Invited Fellow for Research in Japan by the JSPS

Mitglied des Istituto Veneto di Scienze Lettere, ed Arti

 

Morgenstern,

Karina

 

2002

Hertha-Sponer-Preis der DPG

 

Penson, C.

1977

Auszeichnung für Deutsch-Französische wissenschaftliche Zusammenarbeit

 

Stehlik, D.

1988

 

1990

 

2004

Visiting Fellow at the Research School of Chemistry,

Australian National University, Canberra, Australia

Fellow of the Institute for Advanced Studies at the

University of Jerusalem, Israel

International Zavoisky Award

 

von Oertzen, W.

1993

1994

1996

Flerov Preis des JINR# Dubna, Rußland

Alexander von Humboldt-Preis, Frankreich

Ehrenprofessor der Universität St. Petersburg, Rußland

 

Wöste, L.

1995

1999

 

2004

Innovationspreis der Länder Berlin und Brandenburg

Smoluchowski-Warburg-Preis der Deutschen und der Polnischen Physikalischen Gesellschaft

Ernennung zum "Concurrent Professor" der Universität Nanjing

 

Wrachtrup, J.

1995

Gustav-Hertz-Preis der DPG

 

§ JSPS  =  Japan Society for the Promotion of Science

#JINR  =  Joint Institute for Nuclear Research

 

 

 

Anhang 3   Tagungen in Berlin

Baberschke, K.

Chair

8. Internat. XAFS§ Conference,   Berlin 1984

 

Bennemann, K.-H.

Chair

 

Co-Chair

 

Co-Chair

 

 

Co-Chair

 

 

Chair

 

Internat. Conf. on Transition Metals,   Berlin 1977

 

Internat. Conf. on Ionic Liquids,   Berlin 1982

 

Internat. Symp. On Small Particles and Inorganic Clusters,

Berlin 1984

 

3rd Internat. Symp. On Theory of Atomic and Molecular Clusters,   Berlin 1999

 

Internat. Symp. On High Tc Superconductivity, Berlin 2000

 

Eichler, J.

Co-chair

XIII Internat. Conference for the Physics of Electronic and Atomic Collisions,   Berlin 1983

 

Helfrich, W.

Co-chair

Fluid Membranes and Polymers,   Berlin 1996

 

Lux-Steiner, M. Ch.

Chair

Intern. Symp. On Strategies for Research and Development

of Photovoltaics, Japan – Europe in Comparison,   Berlin 1997

 

Kaindl, G.

Co-Chair

Co-Chair

 

Co-Chair

5th Internat. Conf. on Hyperfine Interactions, Berlin 1980

1st Russian-German Workshop on Applications of

Synchrotron Radiation,   Berlin 1995

3rd Russian-German Workshop on  Synchrotron Radiation Research,   Berlin 2001

 

Lüders, K.

Co-chair

5th Internat. Symp. On Graphite Intercalation Compounds,

Berlin 1989

 

Matthias, E.

Co-chair

WE-Heraeus-Seminar on Nonlinear Optics at Interfaces,

Berlin 1998

 

Möbius, K.

Chair

 

 

Chair

 

 

Chair

Joint Symp. FU Berlin/Hebrew University of Jerusalem:

Light – the Origin of Primary Processes in Photosynthesis and Vision,   Berlin 1988

Joint Symp. FU Berlin/Academy of Sciences USSR:

Application of Magnetic Resonance in Physics and Chemistry,   Berlin 1991

Internat. Symp. Of the Volkswagen-Stiftung on Intra- and Intermolecular Electron Transfer,   Berlin 1996

 

Starke, K.

Chair

 

Internat. Workshop on X-ray Spectroscopies for Magnetic Solids XRMS-2000,   Berlin 2000

 

von Oertzen. W.

Chair

 

Chair

 

Chair

Deep-Inelastic and Fusion Reactions with Heavy Ions,

Berlin 1979

Detectors in Heavy Ion Reactions,   Berlin 1982,

commemorating the 100th anniversary of Hans Geiger

Intern. Conference On 50 Years in Nuclear Fission,

Berlin 1989

 

Wöste, L.

 

Chair

Chair

 

Symposium on Molecular Beams,  Berlin 1993

LRC Internat. Laser Radar Conference, Berlin 1996

 

§XAFS  =  X-ray absortpion fine structure

 

 

 

Anhang 4   Buchveröffentlichungen

Baberschke, K.

 

Band ferromagnetism,   Springer, Berlin 2001

Bennemann, K.-H. and Ketterson, J.B.  (eds.)

 

Bennemann, K.-H., Brouers, F., and

Quitmann, D.  (eds.)

 

Bennemann, K.-H.

 

Bennemann, K.-H., (ed.)

 

Bennemann, K.-H. and Ketterson, J.B.  (eds.)

 

The Physics of Solid and Liquid Helium, Vol. I/II, Wiley 1976

 

 

Ionic liquids, molten salts and polyelectrolytes,   Springer,

Berlin 1982

 

 

Theoretische Verhaltensbiologie, Vol. 1,2,  Shaker, Aachen 1996

 

Nonlinear Optics in Metals, Clarendon Press, Oxford 1998

 

The Physics of Superconductors   Vol.I/II, 

Springer, Berlin  2003/2004

 

Forstmann, F.

and Gerhardts, R. R.

 

Metal optics near the plasma frequency,   Springer, Berlin 1986

Groß, E. K.U.

and Dreizler, R. M.

 

Groß, E. K.U.

 

Density functional theory,  Springer, Berlin, 1990

 

 

Vielteilchentheorie,   Teubner, Stuttgart 1986

Kaindl, G.

and Haas, H.  (eds.)

 

Hyperfine Interactions V, Part I and II,  Proc. 5th Internat. Conf. Berlin 1980,   North-Holland Publishing Co., Amsterdam 1981

Kleinert, H.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleinert, H. and

Schulte-Frohlinde, V.

 

Gauge Fields in Condensed Matter, World Scientific, Singapore

Vol. I  Superflow and Vortex Lines                                      1989

Vol. II,  Stresses and Defects

 

Path Integrals in Quantum Mechanics,

Statistics and Polymer Physics,   World Scientific, Singapore 1990

Second extended edition  1995

 

Pfadintegrale in Quantenmechanik, Statistik und Polymerphysik,   B.I.-Wissenschaftsverlag, Mannheim 1993

 

Path Integrals in Quantum Mechanics, Statistics,  Polymer Physics, and Financial Markets,   Third extended edition

World Scientific, Singapore 2004

 

Critical Properties of Phi^4-Theories,   World Scientific, Singapore 2001

Kramer, K.

 und Lüders, K.

 

Kramer, K.

Die Physik, ihre Sprache und Untersuchungsmethoden,

Verlag Chemie,  Weinheim 1970

 

Elektronik-Praktikum,  Bertelsmann-Universitätsverlag, Düsseldorf 1973

 

Lüders, K.

 

Lüders, K.

 

 

Lüders,K. und Pohl, R.O.

 

Physik für Naturwissenschaftler,   Köster, Berlin 1997, 1. Aufl.

 

Superflüssigkeiten, in Bergmann/Schaefer, Lehrbuch der Experimentalphysik, Bd. 5, de Gruyter, Berlin 1992

 

Pohls Einführung in die Physik,  Springer, Berlin 2004

Lux-Steiner, M.

und Hohl, H.

 

Aufgabensammlung zur Festkörperphysik,  Springer, Berlin 1994

Matthias, E.

and Träger, F. (eds)

Nonlinear Optics at Interfaces, Proc. 206. WE-Heraeus Sem.

Special Issue Appl. Phys. B 68, No. 3,   Springer, Berlin1999

 

Peschel, Ingo

 

Density matrix renormalization,   Springer, Berlin 1999

Suck, J.B., Quitmann, D.

Maier, B. (eds.)

 

Proc. of an Internat. Workshop on Investigations of Higher Order Correlation Functions,   J. de Physique 46, C9, 1985

Schwentner, N.

 

Electronic excitations in condensed rare gases,   Springer,

Berlin 1985

 

Starke, K.

Magnetic Dichroism in Core-Level Photoemission,   Springer, Berlin 2000

 

Theis, Werner

 

Grundzüge der Quantentheorie,   Teubner, Stuttgart 1985

Manz, J.

and Wöste, L. (eds.)

 

Femtochemistry, Vol. I and II, VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim 1995

 


[1] Eine ausführliche Darstellung der Entwicklung des Faches Physik an der FU während der Jahre 1949–1968 findet sich unter 

[2] UV = ultraviolett

[3] meist als FB Physik abgekürzt

[4] oft AG genannt

[5] im Weiteren DFG genannt

[6] im Weiteren ESR vereinzelt auch EPR = electron paramagnetic resonance genannt

[7] NMR  =  nuclear magnetic resonance

[8] DPG  =  Deutsche Physikalische Gesellschaft

[9] Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft, im Weiteren Sfb genannt.

[10] Mössbauer-Effekt  =  rückstoßfrei ausgesandte Kern-γ-Strahlung

[11] S-Stellen sind AH6/C4-Professuren, die an einem außeruniversitären Institut arbeiten und von dort zu 85% vergütet werden. In Berlin gehören sie einer der drei Universitäten an und werden in einem gemeinsamen Berufungsverfahren durch Fachbereich und außeruniversitäre Einrichtung ausgewählt.

CALTECH = California Institute of Technology, Pasadena/CA

[13] AH5-Professoren hatten im FB Physik eigenständige Arbeitsgruppen und wurden mit eigenen Mitteln ausgestattet.

[14] Postdoc  = Postdoctoral collaborator

[15] Assistenzprofessor im Weiteren abgekürzt Ass.Prof. genannt

[16] Fortan LRL abgekürzt, später umbenannt in LBL  = Lawrence Berkeley Laboratory

[17] UC  =  University of California

[18] CERN  =  Centre Européen pour la Recherche Nucleaire

[19] im Weiteren WE genannt

[20] im Weiteren oft abgekürzt als TP

[21] ENDOR  =  electron nuclear double resonance

[22] Es sei angemerkt, dass laut BerlHG vom 22.12.78 ab 1.1.1979 die Umstellung auf C-Besoldung erfolgte:  AH6 → C4, AH5 → C3,  AH4 → C2

[23] BESSY  =  Berliner Elektronen-Speicherring für Synchrotronstrahlung; BESSY wurde 1981 in BERLIN-Dahlem in Betrieb genommen und 1998 von BESSY II in Berlin-Adlershof abgelöst

[24] BMFT  =  Bundesminister für Forschung und Technologie

[25] XANES =  x-ray absorption near-edge structure (Kossel-Struktur)

[26] EXAFS  =  extended x-ray absorption fine structure

[27] BMBF  =  Bundesminister für Bildung und Forschung

[28] LMU  = Ludwig-Maximilian-Universität

[29] UCLA = University of California at Los Angeles

[30] DESY  =  Deutsches Elektronen-Synchrotron

[31] UHV  =  ultra high vacuum

[32] Fiebiger-Professuren wurden Mitte der 80er Jahre zur Förderung des habilitierten Nachwuchses geschaffen

[33] KFA = Kernforschungsanlage

[34] LIDAR  =  light detection and ranging

[35] BMBW  =  Bundesminister für Bildung und Wissenschaft

[36] FHI  =  Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft

[37] STM  =  scanning tunneling microscopy

[38] SNOM   =  scanning nearfield microscopy

[39] FMR = ferromagnetic resonance

[40] Physikalische Blätter bis 2000, danach Physik Journal, September Hefte

[41] EPK  =  Entwicklungs- und Planungskommission des Akademischen Senats

[42] JILA = Joint Institute for Laboratory Astrophysics